Am stillsten Ort der Welt
Fabian Wendlings Bühnenbild ist der Star des Abends: klaustrophobisch, steril, ohne Fenster und Türen. Die Bühne im Stuttgarter Schauspielhaus ist bis über die Decke ausgekleidet mit Regalen, die gefüllt sind mit einheitlich braunen und unbeschrifteten Pappdeckel-Ordnern – fein säuberlich in quadratischem Schachtelmuster arrangiert.
Es erinnert darin sowohl an die stillsten Orte der Welt – an Absorbier-Räume, die jegliche Geräusche schlucken und in denen man folglich nichts hört außer sein eigenes Inneres (und die dementsprechend auch als besonders perfides Folterinstrument zum Einsatz kommen). Andererseits an ein riesiges Archiv: zwei hohe Bibliotheksrollleitern laden zum Klettern in schwindelnde Höhe ein. Der Schreibtisch und das alte Klavier, die ansonsten einzigen Möbel auf der Bühne, sprechen derweil von vergangenen Zeiten. Längst sind Ibsens «John Gabriel Borkman» und seine Frau Gunhild ins gesellschaftliche Nichts abgerutscht. Der Ex-Bankdirektor, nach seiner achtjährigen Haft wegen schweren Anlage-Betrugs in der selbstgewählten Isolation, traut sich nicht mehr auf die Straße – kein Wunder, hat er doch durch sein Verbrechen etliche Familien in den finanziellen Ruin ...
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Theater heute Juni 2024
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Verena Großkreutz
Neben der Antikenaufarbeitung «Anthropolis», neben der Klassikerpflege und neben postdramatischen Zugriffen verfolgt das Deutsche Schauspielhaus einen dritten, weit weniger beachteten künstlerischen Strang: Immer wieder kommen hier well-made Plays auf die Bühne, die dem Ensemble Gelegenheit geben, darstellerisch aufzudrehen und die konsequent auf tagespolitische...
Figuren
Lütje Wesel – Spitzenkandidat des FDP Ortsverbandes Wenningstedt-Braderup, ehrgeizig und krank. Listenplatz 1.
Ole Hagenfels-Jefsen-Bohn – Schatzmeister des Ortsverbandes, kann nicht vor Leuten sprechen.
Jagoda Hagenfels-Jefsen-Bohn – Stellvertretende Vorsitzende des Ortsverbandes, kann vor Leuten sprechen, nur ohne diplomatisches Feingefühl. Listenplatz 2.
...
Würdigen wir bitte zunächst den Spielplanhumor. Letzte Inszenierungen einer Intendanz haben ja oft symbolische Titel, meist irgendetwas mit «Ende» oder «Abschied». Martin Kušej, der eher für Trübsal als Witz bekannte scheidende Direktor des Wiener Burgtheaters, programmiert als finale Premiere ein Stück mit dem Titel «Zentralfriedhof». Das ist so grimmig – wenn ich...
