Am stillsten Ort der Welt

Henrik Ibsen «John Gabriel Borkman» am Staatstheater Stuttgart

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Fabian Wendlings Bühnenbild ist der Star des Abends: klaustrophobisch, steril, ohne Fenster und Türen. Die Bühne im Stuttgarter Schauspielhaus ist bis über die Decke ausgekleidet mit Regalen, die gefüllt sind mit einheitlich braunen und unbeschrifteten Pappdeckel-Ordnern – fein säuberlich in quadratischem Schachtelmuster arrangiert.



Es erinnert darin sowohl an die stillsten Orte der Welt – an Absorbier-Räume, die jegliche Geräusche schlucken und in denen man folglich nichts hört außer sein eigenes Inneres (und die dementsprechend auch als besonders perfides Folterinstrument zum Einsatz kommen). Andererseits an ein riesiges Archiv: zwei hohe Bibliotheksrollleitern laden zum Klettern in schwindelnde Höhe ein. Der Schreibtisch und das alte Klavier, die ansonsten einzigen Möbel auf der Bühne, sprechen derweil von vergangenen Zeiten. Längst sind Ibsens «John Gabriel Borkman» und seine Frau Gunhild ins gesellschaftliche Nichts abgerutscht. Der Ex-Bankdirektor, nach seiner achtjährigen Haft wegen schweren Anlage-Betrugs in der selbstgewählten Isolation, traut sich nicht mehr auf die Straße – kein Wunder, hat er doch durch sein Verbrechen etliche Familien in den finanziellen Ruin ...

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Theater heute Juni 2024
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Verena Großkreutz

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