Alptraumwandeln
Fröhlich tropfen die Flageoletttöne aus der Ukulele. Pling, pling, tropf. Aber es sind keine Töne, die da tropfen, es ist Blut, Blut aus einem abgetrennten Schädel, der an einer Gaspipeline hängt und langsam ausblutet. Ein roter, tropfender Ball. Angeblich hätten russische Freischärler so die Leichen tschetschenischer Unabhängigkeitskämpfer zur Schau gestellt, zur Demütigung wie zur Abschreckung. Pling, tropf. Ein starkes Bild, ein unerträgliches Bild.
Und in seinem Grauen symptomatisch für Stefano Massinis «Eine nicht umerziehbare Frau», einem «Theatermemorandum» zu Leben und Arbeit der 2006 ermordeten russischen Journalistin Anna Politkowskaja: drastisch, voll bitterem Humor.
Massinis Stück besteht aus Biografiepartikeln, Interviews und journalistischen Passagen, die Politkowskajas Recherchen zum Komplex der Tschetschenienkriege beschreiben. Die Vorlage ist stark, wo sie mit kräftigen Bildern arbeitet, allerdings sind das dann Bilder, die sich kaum noch transzendieren lassen, die jede Regie torpedieren. Anders gesagt: Der Text ist als Text gelungen, weil er es schafft, auf Effekte zu bauen, ohne den Inhalt hinter diesen Effekten verschwinden zu lassen, als Stückvorlage aber ist ...
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Theater heute Januar 2016
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Falk Schreiber
Alvis Hermanis hat seine für April geplante Inszenierung am Hamburger Thalia Theater aus privaten und politischen Gründen Anfang Dezember abgesagt. In einer Stellungnahme auf der Webseite des Rigaer Neuen Theaters (www.jrt.lv) heißt es, er arbeite gerade in Paris und lebe in genau dem Viertel, wo das Massaker geschehen sei: «Wir sind überall von Angst und Schrecken...
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