Ahnungslose Rebellen
Great wide open, das klingt wie ein Versprechen und ein Abgrund zugleich. Oder wie ein (natürlich abgesagtes) Tennisturnier. «A rebel without a clue» ist der nachwuchsmusikalische Protagonist in Tom Pettys James-Dean-Abgesang «Into The Great Wide Open»: ein Aufbegehrender, der nicht nur keinen Grund, sondern außerdem noch keine Ahnung hat.
Ein solcher kann eben kaum zwischen Krise und Chance unterscheiden (oder gar das Scheitern als Chance sehen), zwischen Verhinderung und Möglichkeit, Unterbrechung und Stillstand, freiem Flug und haltlosem Absturz, Ab- und Ansage, Lockdown und Aufschluss, Widerstand und Streaming. So ahnungs- und orientierungslos kam ich mir, kamen wir mir mitunter vor in den vergangenen Monaten der Pandemie. Also nicht gerade souverän.
Wenn die «Corona-Krise» eines nicht war, dann eine Pause. Sie hat uns stattdessen in Atemlosigkeit versetzt und massiv mehr Arbeit (denn Kurzarbeit macht vor allem mehr Arbeit, und das Managen von Absagen, Ausfällen, Verschiebungen, Notfallfondsanträgen, Homeoffices, Hygienekonzepten und digitalen Ersatzprogrammen ebenso), mehr Sorgen (um die Selbständigen, die Projektvorhaben und Koproduktionen, die Reisebedingungen und die ...
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Theater heute Jahrbuch 2020
Rubrik: Antworten auf die Zukunft, Seite 51
von Matthias Pees
Das war’s mit dem Anthropozän. Der Mensch ist nicht mehr die treibende gestaltende Kraft auf Erden, genau genommen gibt es ihn nicht mehr, er existiert nur noch als Erinnerung in Robotergehirnen. Immerhin scheint die Erinnerung ziemlich präsent zu sein, hört man den Gesprächen der drei Roboter in «Restworld» zu, die sich nahezu manisch um deren ehemalige...
Wie oft ist das schon gedacht und gesagt worden, dass wir an einem Wendepunkt stehen, dass es so nicht weitergehen wird oder weitergehen kann. Und wie oft ist es dann anders gekommen. Als Nancy Pelosi auf dem Höhepunkt der letzten Finanzkrise den Bankern und der gesamten Welt verkündete, dass die Party der gigantischen Gewinnspiele der Finanzindustrie nun endgültig...
Schon seit Jahrhunderten haftet Intendant*innen der Ruf an, dass sie bisweilen die unter ihrer Obhut Stehenden nicht ausschließlich mit wohlmeinender Fürsorglichkeit umsorgen. Während der Pest in Venedig zum Beispiel wurde die verordnete Ausgangssperre rigoroser gehandhabt als zu unseren Zeiten, ausnahmslos hatte man im Haus zu bleiben, die Türen wurden von außen...
