Ahnungslose Rebellen
Great wide open, das klingt wie ein Versprechen und ein Abgrund zugleich. Oder wie ein (natürlich abgesagtes) Tennisturnier. «A rebel without a clue» ist der nachwuchsmusikalische Protagonist in Tom Pettys James-Dean-Abgesang «Into The Great Wide Open»: ein Aufbegehrender, der nicht nur keinen Grund, sondern außerdem noch keine Ahnung hat.
Ein solcher kann eben kaum zwischen Krise und Chance unterscheiden (oder gar das Scheitern als Chance sehen), zwischen Verhinderung und Möglichkeit, Unterbrechung und Stillstand, freiem Flug und haltlosem Absturz, Ab- und Ansage, Lockdown und Aufschluss, Widerstand und Streaming. So ahnungs- und orientierungslos kam ich mir, kamen wir mir mitunter vor in den vergangenen Monaten der Pandemie. Also nicht gerade souverän.
Wenn die «Corona-Krise» eines nicht war, dann eine Pause. Sie hat uns stattdessen in Atemlosigkeit versetzt und massiv mehr Arbeit (denn Kurzarbeit macht vor allem mehr Arbeit, und das Managen von Absagen, Ausfällen, Verschiebungen, Notfallfondsanträgen, Homeoffices, Hygienekonzepten und digitalen Ersatzprogrammen ebenso), mehr Sorgen (um die Selbständigen, die Projektvorhaben und Koproduktionen, die Reisebedingungen und die ...
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Theater heute Jahrbuch 2020
Rubrik: Antworten auf die Zukunft, Seite 51
von Matthias Pees
«… mir fiel andererseits bereits auf, dass zwar viel geschah,
was mir nicht gefiel, aber doch nie genau das, was ich mir
zuvor besorgt ausgedacht hatte. Der Lauf der Dinge überschrieb meine Phantasie unentwegt.»
Dietmar Dath
Als wir vor zwei Jahren eine Version von Natascha Gangls Text «Die große zoologische Pandemie» in unseren Spielplan hineindachten, ahnten wir...
Es war bei einer diesen morgendlichen Diskussionen, vor der eigentlichen Probe, als wir ganz nah beieinander an einem Tisch saßen. Ein Schauspieler beschrieb, wie ein anderer Schauspieler gespielt hat, und benutzte das Wort «souverän». Dann sagte jemand anderes :«Ja, souverän! So souverän.» Ich wusste nicht, was souverän bedeutet. Es klang fremd. Wahrscheinlich,...
Zoom-Meeting mit Barbara Mundel und Matthias Lilienthal. Beide sitzen in den Münchner Kammerspielen, aber in verschiedenen Räumen.
Theater heute Wir sind überrascht, Sie vereinzelt zu sehen – Abstand hin oder her. Sie haben schließlich schon mal an der Volksbühne ein Büro miteinander geteilt?
Matthias Lilienthal Zweimal. In Berlin und vorher in Basel.
Barbara...
