Ahnungslose Rebellen

Da wächst was drin! Über bemerkenswerte Erfahrungen und ein neues Corona-Theater

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Great wide open, das klingt wie ein Versprechen und ein Abgrund zugleich. Oder wie ein (natürlich abgesagtes) Tennisturnier. «A rebel without a clue» ist der nachwuchsmusikalische Protagonist in Tom Pettys James-Dean-Abge­sang «Into The Great Wide Open»: ein Aufbegehrender, der nicht nur keinen Grund, sondern außerdem noch keine Ahnung hat.

Ein solcher kann eben kaum zwischen Krise und Chance unterscheiden (oder gar das Scheitern als Chance sehen), zwischen Verhinderung und Möglichkeit, Unterbrechung und Stillstand, freiem Flug und haltlosem Absturz, Ab- und Ansage, Lockdown und Aufschluss, Widerstand und Streaming. So ahnungs- und orientierungslos kam ich mir, kamen wir mir mitunter vor in den vergangenen Monaten der Pandemie. Also nicht gerade souverän.

Wenn die «Corona-Krise» eines nicht war, dann eine Pause. Sie hat uns stattdessen in Atemlosigkeit versetzt und massiv mehr Arbeit (denn Kurzarbeit macht vor allem mehr Arbeit, und das Managen von Absagen, Ausfällen, Verschiebungen, Notfallfondsanträgen, Homeoffices, Hygienekonzepten und digitalen Ersatzprogrammen ebenso), mehr Sorgen (um die Selbständigen, die Projektvorhaben und Koproduktionen, die Reisebedingungen und die ...

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Theater heute Jahrbuch 2020
Rubrik: Antworten auf die Zukunft, Seite 51
von Matthias Pees

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