Ändert es!
«Ich mache keinen Krieg mehr. Es ist gut, dass ich hierhergekommen bin, zu einer Stelle der Welt, wo ich nachdenken konnte, drei Minuten lang. Jetzt können wir weggehn.» Länger braucht Bertolt Brechts Erster-Weltkriegssoldat Fatzer nicht, um sich gegen das Töten, fürs Desertieren zu entscheiden. Wesentlich länger dauerte es auf der Bühne der Mülheimer Stadthalle auch nicht, bis er und seine drei Kameraden im weißgrauen, zotteligen Flecktarn-Pelz von der Westfront in ihr Mülheimer Versteck gestapft sind. Dort beginnt der zweite Stellungskrieg: der um die «richtige» Moral.
Regisseur Philipp Preuss setzt in seiner Inszenierung «Fragment», die den Auftakt zu einem «Fatzer»-Theaterparcours bildet, stark auf bühnenfüllende Livevideos (Konny Keller): Aus der Trommel einer Waschmaschine heraus gefilmt entwickeln sich hypnotisierende Licht-Wirbel, interpretierbar als Teufelskreis; in der Vogelperspektive werden die Deserteure in ihrem Streit um Lust- versus Realitätsprinzip zu eiskristallartigen Schwarz-weiß-Chiffren; Negativ-Porträts lassen sie als Tote auf Abruf erscheinen. Rupert J. Seidl geleitet als müder philosophischer Kommentator mit XXL-Puschelmikrofon durch den ersten Teil des ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute 1 2023
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Cornelia Fiedler
Während die Britin Caryl Churchill den «Europäischen Dramatiker:innen Preis» 2022 des Schauspiels Stuttgart, dotiert mit 75.000 Euro, am Ende doch nicht erhielt (vgl. TH 12/22), wurde der mit 25.000 Euro dotierte «Europäischen Nachwuchsdramatiker:innen-Preis» tatsächlich an die Ukrainerin Lena Lagushonkova, Autorin von bisher acht Theaterstücken, verliehen. Der...
INGOLSTADT, STADTTHEATER
bis 3.2.23, Schatten und Licht
Zusammen mit dem Stadtarchiv und dem dem Projekt «Opfer des Nationalsozialismus in Ingolstadt» wird das Schicksal zehn jüdischer Ensemble-Mitglieder des Theaters in Ingolstadt von den 1920er Jahren bis 1945 nachgezeichnet.
MARBACH, LITERATURMUSEUM DER MODERNE
bis 9.2.23, Will’s Book – 400 Jahre Shakespeare’s...
Im Mai 1972 machte die Rote Armee Fraktion unmissverständlich klar, dass sie nicht nur Banken, sondern auch Sprengstoff kann. Sie bombte sich mit sechs Anschlägen ins Bewusstsein der westlichen Wertegemeinschaft, einer der Anschläge galt dem Hauptquartier der United States Army Europe and Seventh Army (USAREUR). Auf einem Parkplatz des Headquarter, in dem die...
