Achtung und Vergebung
Richard Alewyn beschreibt in seinem im Programmheft von Johan Simons’ Inszenierung von Pedro Calderón de la Barcas «Das Leben ein Traum» abgedruckten Text «Die Welt ist ein Theater» das Barocktheater als Welttheater. Folgerichtig hat Johannes Schütz eine Kugel in die Mitte der Drehbühne im Hamburger Thalia Theater gestellt, eine Weltkugel, nicht besonders groß, aber zentral, und die Protagonist:innen drehen sich wie Gestirne um das Zentrum der Existenz, fast ununterbrochen, enervierend langsam.
Die Welt ist Theater, das Theater ist ein Traum, der Traum ist das Leben, und der Turm, in dem Sigismund eingekerkert ist, ist der Bühnenturm des Thalia Theaters.
Simons hat das 1635 uraufgeführte «Das Leben ein Traum» schon einmal inszeniert, 2006 bei der Ruhrtriennale, aber laut eigener Aussage erinnert er sich nur noch in groben Zügen an die damalige Produktion. Sollte das nicht Koketterie sein, dann hat sich seit damals tatsächlich etwas verschoben, nämlich der Fokus: Im Zentrum der Inszenierung steht nicht mehr Sigismund, und Jens Harzer tut gut daran, die Figur uneitel (und mit verhältnismäßig wenig Manierismen ausgestattet) mehr oder weniger mitlaufen zu lassen. Dass Sigismund von ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Mai 2024
Rubrik: Aufführungen, Seite 10
von Falk Schreiber
Klar, dieser Liza muss man nichts beibringen, sie muss auch nicht erst «hübsch» gemacht oder erzogen werden, und einen irgendwie signifikanten Akzent hat sie schon gar nicht. Im Gegenteil, ihre Aussprache perlt in perfekter Artikula -tion ohne den Anflug eines krassen Dialekts, und Blumen verkauft sie auch nur vorübergehend, um sich das Schauspielstudium zu...
Fünf schwarze, abhottende Zottelberge, mehr mystische Monster als menschenartige Wesen – zumindest solange sie nicht die Zottelkapuze abgezogen haben und Köpfe sichtbar werden: mit futuristisch ondulierten blonden Kurzhaarfri -suren, die Gesichter in unterschiedlichen Farben. Mal raven sie zu Technobeats, die dreifingrigen Fäustlinge zur Decke gestreckt, mal...
Rausch Drei» – zum dritten Mal in dieser Spielzeit will das Theater an der Ruhr sein Publikum berauschen. Als Alter -native zum Stadttheatersystem hat sich das Theater an der Ruhr in Mülheim/Ruhr seit seiner Gründung 1980 verstanden. Das Konzept der drei «Rausch»-Inseln im Spielplan ist der Versuch, diese Rolle weiterzuentwickeln.
Gastspiele im deutschsprachigen...
