Achtung und Vergebung

Johan Simons erinnert sich am Hamburger Thalia Theater nicht mehr an seine Inszenierung von 2006 und macht Calderón de la Barcas «Das Leben ein Traum» neu

Theater heute - Logo

Richard Alewyn beschreibt in seinem im Programmheft von Johan Simons’ Inszenierung von Pedro Calderón de la Barcas «Das Leben ein Traum» abgedruckten Text «Die Welt ist ein Theater» das Barocktheater als Welttheater. Folgerichtig hat Johannes Schütz eine Kugel in die Mitte der Drehbühne im Hamburger Thalia Theater gestellt, eine Weltkugel, nicht besonders groß, aber zentral, und die Protagonist:innen drehen sich wie Gestirne um das Zentrum der Existenz, fast ununterbrochen, enervierend langsam.

Die Welt ist Theater, das Theater ist ein Traum, der Traum ist das Leben, und der Turm, in dem Sigismund eingekerkert ist, ist der Bühnenturm des Thalia Theaters.

Simons hat das 1635 uraufgeführte «Das Leben ein Traum» schon einmal inszeniert, 2006 bei der Ruhrtriennale, aber laut eigener Aussage erinnert er sich nur noch in groben Zügen an die damalige Produktion. Sollte das nicht Koketterie sein, dann hat sich seit damals tatsächlich etwas verschoben, nämlich der Fokus: Im Zentrum der Inszenierung steht nicht mehr Sigismund, und Jens Harzer tut gut daran, die Figur uneitel (und mit verhältnismäßig wenig Manierismen ausgestattet) mehr oder weniger mitlaufen zu lassen. Dass Sigismund von ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Mai 2024
Rubrik: Aufführungen, Seite 10
von Falk Schreiber

Weitere Beiträge
Am Ort der Hoffnung

August 2023. Vor kurzem hatte Gisèle Viennes «Extra Life» bei der Ruhrtriennale Premiere, ein paar Wochen später ist der Abend beim Internationalen Sommerfestival im Hamburger Kulturzentrum Kampnagel zu sehen. Ein Geschwisterpaar hat am frühen Morgen eine Party verlassen und ist mit seinem Kleinwagen am Waldrand gestrandet, berauscht, aufgekratzt, müde. Clara...

Mord bleibt Mord

Nicht gerade optimistisch für eine National -hymne: «Ruhm und Wille der Ukraine sind noch nicht tot», lauten die ersten Worte der ukrainischen Hymne, und ihr Titel: «Noch ist die Ukraine nicht gestorben». Das Lied kündet von «blutigen Schlachten», davon, sich für die Freiheit zu opfern, und vom Glauben an eine Zukunft, in der die Ukrainer:innen «niemandem erlauben,...

Showroom 5/24

BERLIN, GROPIUS BAU bis 14.7.
Radical Playgrounds: From Competition to Collaboration

Internationale Künstler:innen verwandeln den Parkplatz neben dem Gropius Bau in radikale Spielräume, auf denen u.a. Florentina Holzinger, Tomás Saraceno und Céline Condorelli einen elfwöchigen Kunstparcours unter dem Motto «From Competition to Collaboration» gestalten. Die von...