Abseits des Weltinteresses
Sofia liegt nicht am Weg. Wer sich dessen wirklich bewusst werden will, steigt in Wien in den Zug. In etwas über 30 Stunden ist man am äußeren europäischen Rand. Zwischen Budapest und Bukarest hat man eine Nacht im ungarischen Speisewagen verbracht, wo zu magenzersetzendem Filterkaffee gegen alle EU-Gesetze geraucht wurde, dass die schmutzigen Scheiben beschlugen; im Bahnhof der rumänischen Kapitale sah man ein Heer von endlos Wartenden, die alle Anschlüsse verpasst hatten, und bestieg einen ausgemusterten Waggon, der dennoch ein Ziel versprach.
Über die meeresbreite Donau ging es dann immer tiefer in ein Land, über das man zuhause so wenig vom Hören und vom Sagen kennt.
Und es war ein Fehler, auf der tages- und nachtlangen Fahrt zu Büchern zu greifen, die einem diesen hermetischen Staat und seine Menschen dennoch erklären wollen. Bei Sibylle Lewitscharoff las man: «Wir haben Bulgarien schon satt, bevor wir es richtig kennengelernt haben (…) beklemmende Geschichte, radikale Schrumpfung ins Enge, Paranoide, Kassenwarthafte (…) Fuchsmief, gemixt mit dem Stank von WC-Steinen und billigen Rasierwassern.» Bei Ilja Trojanow hieß es: «Sie ertragen alles (…) sie lächeln nicht, ihr seltenes ...
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Theater heute Januar 2013
Rubrik: Ausland, Seite 23
von Bernd Noack
Es ist grotesk. Auf der Bühne sitzt eine überdimensionierte fette Puppe, gebaut von Priska Praxmarer. Ganz in weiß, nackt, mit aufgenähten Brustwarzen stellt sie den Alkoholiker Wolfgang vor, der zusammen mit zwei anderen Straftätern beim Pfarrer einquartiert ist. Neben Monsterpuppe Wolfgang streifen noch die dünne Hemdchenpuppe Hashem und der Neonazi Gunther, bei...
In einem Schwarm zählt nicht das Schicksal des Einzelnen, sondern nur das der Gemeinschaft. Vögelschwärme fliegen gemeinsam, um sich vor großen Raubtieren zu schützen, jeder übernimmt einmal die gefährliche Position am äußersten Rand. Die Gemeinschaft ist alles, es geht schließlich ums Überleben. So auch in Dürrenmatts fiktiver Gemeinde Güllen, in der die...
Manchmal liegen nur ein paar Zentimeter zwischen Komödie und Tragödie. In Anton Tschechows «Onkel Wanja» zum Beispiel greift der Titelheld am Ende des dritten Akts zur Flinte und schießt zwei Mal auf seinen Schwager. Träfe er, wäre das Stück eine Tragödie. Weil er aber daneben schießt, ist es eine Komödie.
Die Schuss-Szene stellt Matthias Hartmann seiner...
