Foto: Reinhard Werner
6000er-Besteigung mit freiem Fall
Der mitteljunge Mann, der da in gediegenem Ganzkörperbeige unruhig an der Rampe auf und ab schreitet, sieht zwar nicht direkt freundlich aus. Aber mit einem derartigen Frontalangriff auf ihr bis dato grundstabiles Zuschauer-Ego hatte die Parkett-Belegschaft des Wiener Akademietheaters vermutlich nicht gerechnet. Hier hocke ja eine personifizierte «Sackgasse» neben der anderen, ätzt Joachim Meyerhoff etwa in der Mitte seines Thomas-Melle-Solos «Die Welt im Rücken» von der Bühne herunter, während er dezidiert schonungsfreien Auges die erste Reihe scannt.
Und weiter hinten werde es – gnadenlos sezierender Panoramablick – naturgemäß noch trostloser.
Die Angesprochenen versuchen – wie man das eben konventionellermaßen tut, wenn dramatische Provokationen durch die vierte Wand fliegen –, leicht verdruckst über die Situation hinwegzulachen. Meyerhoff ist allerdings noch längst nicht fertig. Genau genommen fängt er gerade erst an – indem er mit vital wachsendem Sarkasmus von der Kollektiv- zur Individualattacke übergeht: «Dass Sie in Ihrem Alter immer noch glauben, wenn’s glitzert, ist es teuer, ist ein bisschen armselig, oder?», ranzt er eine Mittsechzigerin an, die sich tapfer lächelnd ...
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Theater heute Jahrbuch 2017
Rubrik: Schauspieler*innen des Jahres, Seite 92
von Christine Wahl
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