Redeschwall und Schweigemauer

Elfriede Jelineks «Rechnitz (Der Würgeengel)»

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In der Nacht vom 24. auf den 25. März 1945 feierten auf Schloss Rechnitz, das unmittelbar an der österreichischen Grenze zu Ungarn liegt, SS-Offiziere, Gestapo-Führer und einheimische Getreue des Nazi-Regimes ein «Gefolgschaftsfest», auf dem getanzt und getrunken wurde und in dessen Verlauf fast zweihundert arbeitsunfähige oder geschwächte jüdische Zwangsarbeiter brutal liqui-diert wurden. Der NSDAP-Ortsgruppenleiter verteilte an ausgewählte Gäste Waffen, die Juden muss­ten sich nackt ausziehen, wurden malträtiert und erschossen oder erschlagen.

 
 

Gemäß Prozessakten des Landgerichts Wien aus der Nachkriegszeit waren auch die Besitzer des von der SS requirierten Schlosses, Graf und Gräfin Batthyány, beim Fest anwesend, als «Gastgeber der Hölle«. Margit von Batthyány, geborene Thyssen-Bornemisza, war eine Enkelin des Stahlmagnaten August Thyssen. Margit von Batthyány ist wegen der Rechnitzer Mordnacht nie strafrechtlich verfolgt worden. Knapp vor der Besetzung des Schlosses durch die Rote Armee floh die Gräfin mit ihrer Zofe, ihrem Mann und ihrem Geliebten Oldenburg – neben dem Ortsgruppenleiter Podezin einer der Hauptangeklagten im Prozess – in die Schweiz. Sie widmete sich dort ...

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Theater heute Jahrbuch 2008
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 162
von Julia Lochte

Vergriffen
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