Gegenkritik: Nicolas Stemann
Der Theaterkritik geht es nicht wirklich gut. Das tut mir leid. Vielleicht ist sie überarbeitet? Oder überfordert? Bin ich vielleicht daran schuld? Vielleicht sollten wir sie ein wenig in Ruhe lassen, damit sie wieder zu sich kommt. Legen Sie also ganz behutsam dieses Heft weg. Weit weg. Lesen Sie nicht mehr weiter. Wenn Sie ein Abo haben, sollten Sie es vielleicht besser kündigen.
Ich sehe, Sie ignorieren meine Warnungen und lesen dennoch weiter.
Also gut, noch diese eine Seite, aber dann ist Schluss, okay?
Meine Wiener Inszenierung «Die Brüder Karamasow» ist übrigens hymnisch bejubelt worden von der Theaterkritik. Das stimmt! Meine Wiener Inszenierung «Die Brüder Karamasow» ist von der Theaterkritik auch hämisch verrissen worden. So ist es immer. Egal, was ich inszeniere, ganz gleich ob es ein Highlight der Theatergeschichte ist oder eine kleine Fingerübung: Die Theaterkritik ist immer total verwirrt. Auch im Fall von Dostojewskis «Die Brüder Karamasow».
«Ungewohnt ernsthaft» fand die Wiener Zeitung mit einigem Recht den Abend, und auch Theater heute befindet im Einsteinschen Duktus: «Stemann ironisiert nicht». Die NZZ dagegen bescheinigt eine «gepflegte ironische Distanz», ...
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Beige sind die Trennwände in diesem Tonstudio, lang der Backenbart des Schlagzeugers und auch das Haupthaar des Hippiemädchens, das seine schwarzen Strähnen zupft und dabei die Augen devot weitet (sie gehören der Tänzerin Arantxa Martinez). Im hinteren Zentrum thront ein Turm, in dessen Erdgeschoss die Mixing-Konsole steht, der Kontrollraum der Aufnahme. Weil die...
Nach Lars-Ole Walburgs Düsseldorfer «Orestie» lässt sich noch besser nachvollziehen, warum Michael Thalheimer in seiner Berliner Inszenierung 2006 den dritten Teil, «Die Eumeniden», gestrichen hat. Die Wucht der Tragödie, auf die es hier ankommt, ist mit einer unentschieden endenden Abstimmung, mit dem Schlichterspruch einer gütigen Pallas Athene, also mit Friede...
Die Zeitspanne vom Erscheinen eines Romans bis zu seiner Adaption für die Bühne schrumpft immer mehr. Bei «Schilf», dem Krimidebüt der gefeierten Jungjuristin und Erfolgsautorin Juli Zeh – einem Buch, das neben einem mörderischen akustischen Missverständnis und einem moribunden Kommissar auch noch mit verzwickten physikalisch-philosophischen Debatten über das Wesen...
