Hamburgische Dramaturgie
Zierlicher ist es, das neue Logo, mit dem Thalia-Intendant Joachim Lux die Litfaßsäulen Hamburgs schmücken ließ. Zierlicher, strenger und doch merkwürdig vertraut. Aus dem gemütlichen Thalia-Tempel Ulrich Khuons, über dem der Morgenstern aufging, ist mit denselben Stilmitteln ein Strichmännchen geworden, das jederzeit losmarschieren könnte: Kontinuität, Neubeginn und ein bisschen Programmatik ins Symbol gezwungen.
Der Neu-Intendant weiß, dass er von Vorgänger Khuon das vielleicht erfolgreichste deutsche Theater übernommen hat. Und muss doch eigene Duftmarken setzen.
Um Himmels Willen kein Motto, aber doch eine nicht eben kleinmütige Frage soll die nächsten Jahre bestimmen: «Wo gehen wir hin?» Globale Wanderbewegungen, Menschen «auf der Suche nach innerer oder äußerer Heimat und nach kultureller Identität» beschwört Lux im Spielzeitheft, das mit strengem Schwarzweiß, sehr schönen Fotos des Ensembles und einer befremdlichen Schrifttype aus den 30er Jahren aufwartet.
Stadt auf die Bühne
Hinaus in die Welt also. Für den allerersten Abend aber hatten sich Lux und sein Oberspielleiter eine besondere Geste des Einladens ausgedacht: die Stadt ins Theater. Nicht das neue, von ersten ...
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Mal angenommen, die Personnage erklärte sich mit dem Komödienfinale à la Eugène Labiche nicht einverstanden. Der Galan der Ehefrau würde selbige also nicht wieder hergeben, der düpierte Ehemann wäre nicht so blöd, sich hinters Licht führen zu lassen, das Pferd des Privatiers Fadinard fräße auch den nächsten Florentinerhut oder der taube Onkel Vézinet bestünde...
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Klüger und ausgewogener hätte kein Auftakt geplant werden können. Joseph Conrads Weltliteratur «Heart of the Darkness» auf der einen, das Auftragswerk an den Dramatiker Bärfuss auf der anderen Seite. Hier die Romanadaption zur Kolonialgeschichte, dort das zeitgeistige Ehedrama vor dem Hintergrund globaler Ölgeschäfte. Die Reise ins Fremde als Spiegel der eigenen...
