Das Glück der Deutschen

Die wiedervereinigte Bundesrepublik ist ein nachtragisches Staatswesen - das nationale Öffentlichkeitsarbeit betreibt und dazu Sachbücher verfilmt. Ein Essay über das deutsche Geschichtskino zwischen Faktizität und Farce

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Adolf Hitler war ein verschrobener Kerl, dem die Hände zitterten. Andreas Baader war ein ungehobelter Macho, der gern mit Pistolen fuchtelte. Claus Graf Stauffenberg war ein Aristokrat der Tat, der beinahe das Schicksal ausgebremst hätte. Die DDR war ein dekadentes Funktionärsregime, in dem Kunst nur der Anbahnung von Sex diente. Die DDR war ein Paradies mit eingelegten Gurken, aus dem sich die Menschen nur durch den Sündenfall der Reisefreiheit vertrieben ließen. So war es.

War es so?

Der deutsche Film steht zwanzig Jahre nach der Wende von 1989 vor einem seltsamen Phänomen: Historische Stoffe, gerade auch solche aus der nahen Vergangenheit, prägen das Geschäft. Sobald der Branche zu Hitler nichts mehr einfällt, gibt es einen Film über «Hilde» (Hildegard Knef, Deutschlands erste Nachkriegsdiva, die es beinahe in Hollywood geschafft hätte). Wem «Der Untergang» nicht gereicht hat, der kann sich in «Anonyma – Eine Frau in Berlin» noch einmal die zerstörte Hauptstadt des «Dritten Reiches» als pittoreske Kulissenstadt vergegenwärtigen. Wer Oskar Schindlers gute Tat angesichts der Dimensionen der Shoa nicht allein seligmachend findet, kann in dem Geschäftsmann John Rabe, der in Shanghai ...

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Theater heute April 2009
Rubrik: Deutschland, Deine Mythen, Seite 16
von Bert Rebhandl

Vergriffen
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Moral als Fetisch

Was tun, wenn das Leben nach dem Lustprinzip einen Sättigungsgrad erreicht hat, der jede Steigerung zur Mühsal werden lässt? Wenn Ausschweifung nur noch anstrengend ist und nicht einmal die Macht mehr müde Männer munter macht? Man könnte sich entspannt zurücklehnen und einfach abwarten, bis sich die Libido von selber wieder regt. Oder man inszeniert – um die...

Jetz lenk nich ab!

Die Szene ist ein Restaurant am Abend. Draußen, vor dem großen Schaufenster, prügelt ein Mann auf eine Frau ein. Alle schauen hin – keiner macht was. Aber jeder sagt was anderes dazu. An elf Tischen verstummt für einen Moment die Unterhaltung, um dann das Ereignis zu bewerten oder eigenes Nichthandeln zu erklären. Da ist zum Beispiel die ältere Dame von auswärts,...

Glasperlen im Nebel

Zwei Männer auf Segeltörn, auf dem trunkenen Schiff: Der Eine und Der Andere. Wir vermuten, dass das nur zwei Namen sind für ein- und denselben, nämlich den Autor. Jon Fosse schreibt hier sein poetologisches Programm als Stück auf. Könnte man sagen. Ziemlich kurze Pause. Vielleicht auch nicht. Pause. Oder doch. Kurze Pause.

Nach diesem Abend fühlt man sich gleich...