Ausnahmezustände sind keine Schande
Es ist eine von den Geschichten, wie sie Slavoj Zizek gerne erzählt, die Geschichte einer Laborratte – und somit die Geschichte von uns. Man stelle ein begehrtes Objekt (also: Käse oder Sexualpartner) so, dass die Ratte zwar weiß, dass es da ist, es aber nicht erreichen kann. Die Ratte rennt ein paar Mal gegen die Wand, gibt dann auf und wendet sich anderen, weniger attraktiven, dafür greifbaren Kompromissen zu.
Wenn man das Gehirn der Ratte nun auf eine bestimmte Art und Weise manipuliert, dann rennt sie gegen die Wand, wieder und wieder, und lässt nicht mehr davon ab: Sie ist menschlich geworden und kann den Verlust des «wahren» Objekts der Begierde nicht verschmerzen.
Es ist eine von den vielen möglichen Geschichten, die man so oder so ähnlich immer wieder zu hören bekommt beim dritten «Lovepangs»-Kongress von Carmen Brucic, der – nach Berlin und Frankfurt (ein weiterer in Zürich geplanter wurde nicht realisiert) – nun erstmals ins nichtdeutschsprachige Ausland gewandert ist, ins belgische Gent, ins Kunstencentrum Vooruit, einem der charmantesten Theater Europas.
Liebe, Schmerz, Sehnsucht, Leben, Tod – es geht bei «Lovepangs» ums Eingemachte, aber so herzlich und spielerisch ...
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In Meiningen rollen Köpfe. Zwar derzeit nur auf der Bühne, aber es ist kein Geheimnis, dass manche Besucher im Parkett – wenn sie überhaupt noch kommen – auch gerne in der Intendanz so aufräumen würden, wie es Jarg Pataki in seiner Inszenierung von Büchners «Dantons Tod» radikal und unerbittlich vorführt: Kein Haupt bleibt da mehr auf dem Leib, die Macht wird neu...
Vor gut einem Jahrzehnt ging ein Gespenst um in deutschen Schauspieldramaturgien, es hieß «Engel in Amerika» und war ein monströses zweiteiliges Theaterstück des hierzulande völlig unbekannten Autors Tony Kushner. Beide Teile währten, ungekürzt gespielt, je drei bis vier Stunden, so jedenfalls im Londoner West End und am New Yorker Broadway, wo «Die...
Es gibt junge Theaterautoren, deren erstes Stück routiniert wirken soll, als sei das erste Dutzend bereits voll. Das kann bei Absolventen einschlägiger Studiengänge vorkommen. Zum Beispiel, wenn man wie Christina Kettering (24) am Deutschen Literaturinstitut Leipzig die Fächer Prosa und Dramatik/Neue Medien belegt hat. «Der Gast» ist ihr erstes Stück und man fragt...
