Das Rockstar-Ding
Wenn die Party beginnt, begibt sich Lars Eidinger in sein Element. Eine innere Tür geht auf, er tritt über die Schwelle und in eine andere Welt, in der er nicht mehr er selbst ist. Sondern ein Rockstar. So wie zum Auftakt des «Sommernachtstraums», den Constanza Macras und Thomas Ostermeier letzten Sommer in Athen und an der Berliner Schaubühne präsentierten.
Noch während das Publikum über die Bühne in den Saal strömt, von Tänzerinnen und Schauspielern per Handschlag begrüßt und mit Bowlebechern versorgt, steht Eidinger schon im Zentrum des Treibens, rhythmisch klatschend, 80er-Jahre-Strähnen im Gesicht und mit einer Haltung, so triumphierend und selbstgewiss, dass Prince vor Neid erblassen würde. Er greift nach Männern, die in der ersten Reihe sitzen. Einer dreht sich lachend weg, ein anderer folgt ihm auf die Bühne und lässt sich ausführlich auf den Mund küssen. Eidinger tanzt und strippt und schwitzt, die Musik wird immer lauter und drängender und bricht erst ab, als er schließlich dasteht, wie Gott oder die Welt ihn geschaffen haben.
Was dann folgt, darüber ist bereits viel geredet und geschrieben worden. Eidinger zieht seinen Penis durch die Mundöffnung einer Totenkopfmaske ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Der österreichische Filmemacher Götz Spielmann (Jg. 1961) hat im Auftrag des Linzer Landestheaters sein erstes Stück geschrieben. Bevor er sich an die Arbeit machte, hat er Shakespeare gelesen. «Das hat mich dankenswerterweise inspiriert», verrät der Autor im Programmheft.
«Imperium» hat zwar nichts mit Shakespeare zu tun. Aber wenn man so will, kann man Spielmanns...
Alles Walzer!» Am Ende des zweiten Aktes fassen sich in Stefan Ottenis Nürnberger Inszenierung von Arthur Schnitzlers Gesellschaftskomödie «Professor Bernhardi» die Herren (mangels Damen) um die Hüften und drehen sich linkisch-gespenstisch im Dreivierteltakt. Da ist die Donau schon lange grau und der Himmel über Wien hängt voll düsterer Gewitterwolken. Die liberale...
Eigentlich hatte man mit dem (halb)jährlichen Kroesinger schon seinen Frieden geschlossen: Wieder ein postdramatischer Abend, der den dokumentarischen Finger in eine noch nicht verheilte politische Wunde legt, der sich, je nach Krisengebietswind, den islamischen Selbstmordattentätern, der zum Foltern bereiten US-Armee, der deutschen Kolonialgeschichte in Afrika...
