Flüchtige Ahnung
Was für eine Stadt! Gegen 23 Uhr arbeitet sich die Berichterstatterin einsam, Pfeifen hilft, am Parkrand entlang zum nicht minder leeren Boulevard, der eine Art Zentrum markiert. Beate Uhse und Rossmann flimmern verlassen vor sich hin, letzte Kunden drängeln am Tresen von McDonald’s. Vom stillen Hotel aus der Blick auf den stillen Opernplatz – kein Mensch, kein niemand, keine Maus. «Es ist mir entfallen, warum wir uns hier treffen», grübelt Giacinta, eine der Damen im hier gar nicht so wilden Sommer. Ja, warum?
Es muss einen Grund gegeben haben für die Wahl gerade dieses Stückes.
Vielleicht, dass das Theater drohender Depression im nasskalten November mit der Beschwörung südländisch wärmender Ferienlust widerstehen wollte. Denkbar auch, dass Katja Paryla in dieser Ansammlung sprunghaft verknappter Dialogfetzen die Herausforderung aufspürte, ein noch heterogenes Ensemble in der schweren Kunst des Zusammenspiels zu trainieren. Was das angeht, ist einiges gelungen. Überstrahlt von anmutig wechselndem Licht ist ein Trupp von meist fünfundzwanzig Schauspielern rhythmisch schön gleichgestimmt in Aktion, wabert von Stübchen zu Stübchen, quillt über die geschwungene Wendeltreppe, ...
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Mit dem Gerät zerkleinert der Jäger und Sammler zumeist Hühnchen. Der Kiefer ist schwach, das Handwerkzeug aber willig. Nun ist es allerdings nicht so, dass der Held in Fausto Paradivinos Erstling aus dem Jahr 1997 Kannibalisches im Sinn hat, wenn er gleich zu Beginn sagt, er werde die Leiche wohl mit einer Geflügelschere zerkleinern, dann eine Hälfte einfrieren...
Zu anderen (Theater-) Zeiten wäre er, blond und blass, hellstimmig und von kräftiger Statur, jünglingshaft noch als Fünfziger, der ideale «jugendliche Held» gewesen, Moraltrompeter und Mädchenschwarm. Mustert man die knapp fünf Jahrzehnte seines Schauspielerlebens durch – der 1932 in Hamburg geborene Beamtensohn sprang 1956 aus dem Literaturstudium und vom...
Norwegen ist das ideale Land zum Schreiben: Die Dunkelheit, die Einsamkeit und die überwältigende Natur schaffen für Dramatiker inspirierende Bedingungen – denkt man. Auf jeden Fall funktionierte es für Henrik Ibsen 1850 und das nächste Mal 1995 für Jon Fosse, ganz im Sinne des selbstironischen Mythos der Norweger, dass in ihrem Land nur für einen Dramatiker zur...
