Gegenkritik
Liebe Leserin, lieber Leser, die freundliche Anfrage, eine Gegenkritik zu den Besprechungen über «Die Stadt und Der Schnitt» zu verfassen, hat mich gefreut. Ein solcher Text kann allerdings nur von jemandem geschrieben werden, der die Kritiken auch gelesen hat. Tatsächlich habe ich dies nicht – direkt nach Premieren lese ich nie Kritiken, sondern warte damit ein paar Monate. Denn die Arbeit geht ja trotzdem weiter. Und sie fällt mir leichter, wenn ich die Häme der Verrisse und das Lob der Hymnen nicht wortwörtlich zur Kenntnis nehme. Gerade erstere können nämlich wirklich wehtun.
Wir sind also übereingekommen, dass unser Pressereferent, der die Kritiken von Berufs wegen gelesen hat, mich mit einigen Kernthesen konfrontiert und ich in Form eines Interviews darauf antworte. Thomas Ostermeier
Aus den Verrissen wie auch aus manchen der guten Kritiken sticht der Vorwurf heraus, das Theater des «kapitalismuskritischen Realismus» sei inhaltlich und ästhetisch überholt.
Es hat mich sehr erstaunt, dass diese beiden Texte überhaupt als kapitalismuskritisch wahrgenommen werden. «Die Stadt» beschreibt die Liebesgeschichte eines Paars, das in dem Moment in die Krise gerät, als der Mann seinen ...
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Welch herrlicher Zeitgeist-Quark aber auch! Reden wir nicht lang rum: Peter Steins enthemmte Schiller-Liebedienerei am «Wallenstein» war für mich die schlimmste Theatertortur seit langem; ein monströser, maßloser Theaterschreckensstreich von (die Pausen mitgerechnet) zehnstündiger Dauer. Der Großschauspieler und Titelrollenausfüller Klaus Maria Brandauer trumpfte...
So sieht also der Himmel aus, jedenfalls der von Psychiater Königsforst, 57, aus Wolfen: Kurz nachdem der doppelte Selbstmordversuch mit Gattin Helga kläglich gescheitert ist, ergreift den Mann ein völlig neues Körpergefühl. Peter Kurth wischt sich den erbrochenen Pillenbrei von der Brille, pumpt die Lungen voll Morgenluft, reißt sich den mittelbraunen Anzug vom...
Man kann in Hannover in eine x-beliebige Aufführung von «Frühlings Erwachen!» gehen und wird dasselbe Phänomen vorfinden: Unglaublich viele junge Zuschauer, darunter richtig coole Jungs, die man sonst eher nicht im Theater sieht, sind genauso konzentriert, bewegt, begeistert wie die Theatergänger der älteren und alten Generation, und am Ende bricht jedesmal Jubel...
