Highway zum Himmel
Es ist umsonst. Egal, was der Tänzer im blauen Ringelshirt mit dem Laib Brot in der Hand auch anstellt, es wird ihn nicht satt machen. Er drückt das Brot kräftig an seine Brust, klemmt es sich unters Kinn, versucht es mit geballter Kraft zu brechen, bis er schließlich mit seinen Fingernägeln auf ihm herum kratzt, dass es einem kalt den Rücken runter läuft. Irgendwie gelingt es ihm doch noch, ein Stück davon abzubeißen, nur um es sofort wieder auszuspucken. – Was der Tänzer Elie Tass zu Beginn von Alain Platels neuem Stück «vsprs» ausspuckt, ist jedoch nicht nur das Brot.
Es ist zugleich ganz symbolkräftig der Leib Christi und mit ihm der Glaube und die Bindung an ein höheres Wesen und seinen Wertekanon. Die Tänzer werden beides während der drauffolgenden 100 Minuten, die das Stück an der Berliner Staatsoper Unter den Linden dauert, nicht wieder gewinnen.
Während Tass mit den Requisiten der Eucharistie kämpft, zieht sich neben ihm der Tänzer Ross McCormack blitzschnell aus. Er strampelt die Schuhe weg und wirft seine Anzugshose zur Seite (Kostüme: Lies van Assche), wobei er einen regelrechten Veitstanz aufführt, der typisch ist für die Bewegungssprache des Stücks. Rosalba Torres ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die mit breiten Latten notdürftig verschalten Wände der Arbeitsagentur sind provisorisch geweißt. In der Mitte des Raums ragt ein Ding aus dem Boden, das eher einer stählernen Notrufsäule als einem Nummernautomaten gleicht. In der rechten Ecke steht einer dieser braunen, mannshohen Kaffeeautomaten, die dünnwandige Plastikbecher auswerfen. Ein Relikt aus Zeiten,...
Die Zeiten von «Harry, fahr schon mal den Wagen vor» sind endgültig vorbei. Bekanntlich ist dieser Satz in der Serie, die jedermann damit assoziiert, nie gefallen. Kultstatus hat er trotzdem, weil seine wunderbar sachliche Banalität alles einschließt, was die guten alten deutschen Krimi-Serien wie «Derrick» eben ausmachte: Behäbigkeit und Ernst, verkörpert von...
Gute Werke!
Sieben neue Stücke, die wichtigsten deutschsprachigen Uraufführungen der letzten zwölf Monate, zeigen ab 13. Mai wieder die Mülheimer Theatertage. Ausgewählt wurden in diesem Jahr aus etwa 150 Werk-Premieren: Händl Klaus «Dunkel lockende Welt» (Münchner Kammerspiele), Elfriede Jelinek «Babel» (Burgtheater Wien), Gert Jonke «Die versunkene Kathedrale»...
