Tanz, nichts als Tanz
«Dance is nothing but dance», sagte William Forsythe, aufgefordert, den Begriff in seiner vollen Tragweite zu definieren. Das war 1987 bei den Dreharbeiten zum Filmporträt «Expedition Ballett». Vermutlich ist dieser lapidaren Aussage bis heute nichts hinzuzufügen. Dass sie ihm nicht nur so unterlief, bestätigt eine andere, allerdings ziemlich schnoddrige Bemerkung: «It’s just steps.» So lautete die Antwort auf ein Kompliment, nachdem er wieder einmal in knapp zehn Minuten Material für ein ganzes Ballett gestellt hatte.
Mit den «steps» meinte er ein wenig abschätzig die Schrittkombinationen im akademischen Tanz, wie er sie als Eleve beim Joffrey Ballet in Chicago gelernt, verinnerlicht und auf Abruf gespeichert hatte. «Dance» meint das große Ganze, das er später bühnentauglich verfeinerte durch das, was er sich raum- und bewegungstechnisch bei George Balanchine abgeschaut hatte. Aber dank der Fähigkeit, ad hoc interessante, ja überraschende Variationen aus dem Ärmel zu schütteln, rettete er bei so mancher Schlussprobe eines neuen Stücks gerade noch rechtzeitig seinen Hintern.
Dann nämlich, wenn sich auch drei, vier Tage vor einer Uraufführung immer noch nichts stringent ...
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Tanz Dezember 2019
Rubrik: Menschen, Seite 20
von Eva-Elisabeth Fischer
In seiner über 40-jährigen Karriere als Choreograf hat William Forsythe eine erstaunliche Entwicklung durchgemacht. Ich kenne keinen anderen Choreografen, dessen Werk sich durch beständiges Bearbeiten und Befragen des Tanzes derart radikal gewandelt hätte wie das von Forsythe. Ruft man sich seine frühen spektakulären, auf der Neo-Klassik basierenden Ballette in...
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