Gerald Siegmund über Forsythe
In seiner über 40-jährigen Karriere als Choreograf hat William Forsythe eine erstaunliche Entwicklung durchgemacht. Ich kenne keinen anderen Choreografen, dessen Werk sich durch beständiges Bearbeiten und Befragen des Tanzes derart radikal gewandelt hätte wie das von Forsythe. Ruft man sich seine frühen spektakulären, auf der Neo-Klassik basierenden Ballette in Erinnerung, scheinen sie nichts mehr mit jenen bescheiden daherkommenden offenen Formen zu tun zu haben, die Bill heute choreografiert und zeigt.
Er hat radikal andere Formen des Zusammenseins und Zusammentanzes entwickelt, die zeitgenössischer sind als vieles, was mir in der freien Szene begegnet. Auf der einen Seite hat er das klassische Ballett einer konsequenten Analyse von innen unterzogen und ihm so ungeahnte Bewegungsmöglichkeiten eröffnet. In intensiver Zusammenarbeit mit den Tänzerinnen und Tänzern hat er den Ballettkörper gleichsam aufgefaltet und ihm durch Verschiebungen der Bewegungszentren, der Bewegungsimpulse und der Koordination der Gliedmaßen eine neue Gestalt gegeben. Auf der anderen Seite hat der das Ballett von außen mit anderen Formen des Wissens zusammengebracht, um so die choreografische Syntax ...
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Tanz Dezember 2019
Rubrik: Menschen, Seite 26
von
«Dance is nothing but dance», sagte William Forsythe, aufgefordert, den Begriff in seiner vollen Tragweite zu definieren. Das war 1987 bei den Dreharbeiten zum Filmporträt «Expedition Ballett». Vermutlich ist dieser lapidaren Aussage bis heute nichts hinzuzufügen. Dass sie ihm nicht nur so unterlief, bestätigt eine andere, allerdings ziemlich schnoddrige Bemerkung:...
Warum ist Bill für mich so wichtig und inspirierend?
Weil es unvorstellbar ist, wie der Tanz heute ohne ihn aussehen würde. Bill hat uns eine neue Dimension eröffnet.
Weil er imstande ist, seine Begabung in fassliche, berührende Aktion umzumünzen.
Weil er seine Arbeit gemacht hat, sie weiterhin macht und auch künftig machen wird.
Weil er Tänzerinnen, Tänzer und...
Ein Heimspiel, gewiss, aber was für eins! In St. Gallen hat Marianne Fuchs vor gut einem halben Jahrhundert in dem jungen Schlittschuhläufer die künftige Tänzerpersönlichkeit erkannt. Jetzt kehrt Martin Schläpfer an den Ort seiner Entdeckung zurück, um am 2. Dezember den «Großen St. Galler Kulturpreis» entgegenzunehmen. Schläpfer wird sich für die nur alle drei...
