tanz der wörter

Tanzen ist ein Hochrisiko-Verhalten. Noch heute. Erst durch Tanz wurden wir zu Zweibeinern. Danach half er uns, zu sprechenden Wesen zu werden

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Tanzen ist eine universelle Ausdrucksform in allen Kulturen. Das Tanzen geht weit zurück bis zum Ursprung von Homo sapiens und noch darüber hinaus. Noch bei Menschenaffen lassen sich tanzähnliche Bewegungen beobachten. Tanzen ist älter, als die Fähigkeit zu sprechen. Beide Fähigkeiten aber haben sich – so meine These – nicht unabhängig voneinander entwickelt.

Tanzen ist vielmehr eine zentrale Voraussetzung dafür, dass Menschen eine Form der Kommunikation entwickelt haben, die sich durch eine außergewöhnliche Komplexität auszeichnet: eine Lautsprache mit Wörtern, die grammatisch organisiert ist. Warum?

Eine Grammatik des Tanzens
Tanzen und Sprechen beruhen auf regelhaften, minutiös aufeinander abgestimmten Bewegungen einer Vielzahl von Muskeln, deren Abfolge und Zusammenspiel neuronal gesteuert werden. Tänzerische Figuren, Figurenfolgen und Tänze funktionieren auf der Basis von regelgeleiteten Prozessen, die der grammatischen Steuerung des Sprechens ähneln. Denn wie in der Sprache nicht einfach Wörter hintereinandergereiht werden wie Perlen auf einer Kette, so werden auch tänzerische Bewegungen nicht schlicht aneinandergefügt. Beide Bewegungssequenzen erscheinen auf der Oberfläche ...

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Tanz März 2012
Rubrik: ideen, Seite 64
von Wolfgang Steinig

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