St. Gallen: «Schlafes Bruder»
«Am 9. September des Jahres 1825 verschied Johannes Elias Alder, unehelicher Sohn des Kuraten Elias Benzer und der Agathe Alder, genannt Seffin.» Der Tänzer Lorian Mader liegt als toter Johannes Elias Alder auf dem «wasserverschliffenen Stein». Gestorben ist er an Schlafentzug, begraben unter Blättern mit Noten, die das verhinderte Musikgenie nie zu lesen gelernt hat. Der Stein ist Zufluchtsort und Leitmotiv in Robert Schneiders 1992 erschienenem Roman «Schlafes Bruder», den Beate Vollack nun auf die Tanzbühne hebt.
Der Stein nimmt über zwei Drittel der Szenerie ein – ein Koloss, gesetzt von Jon Morrell, besetzt vom Schauspieler Christian Hettkamp, der «Schlafes Bruder» und damit das Alter Ego von Elias Alder gibt.
Den Bestseller über das Totschlagen von Talent im Vorarlberger Dorfsumpf in Tanz zu übersetzen, ist ehrgeizig. Der faszinierende Roman ist analytisch angelegt, ein allwissender Erzähler spricht in einfachen Sätzen, gespickt mit altertümlichen Wendungen und brachial anmutender Mundart. Die Beschreibungen des Orgelspiels von Elias bauen sich beim Lesen zu gigantischen Klangkathedralen auf.
Vollack macht zwei kluge Kunstgriffe. Sie lässt Christian Hettkamp Teile des ...
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Tanz März 2018
Rubrik: Kalender, Seite 50
von Lilo Weber
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