Spätzünder
Natürlich ist er inzwischen etwas älter geworden. Aber jeder, der Ralf Harster jemals zu den Hoch-Zeiten des Kölner Tanz-Forums zu Gesicht bekommen hat, wird ihn auch auf der Straße erkennen. Harster sah schon immer sehr erwachsen aus, und daran hat sich seither kaum etwas geändert. Seine Augenfarbe ist grau-grün, die Statur schlank wie eh und je. Richtig groß war er ja nie: 169 cm, was ihm allerdings im Theater keiner angemerkt hat. Nur sein Haar hat im Zug der Zeit an Länge nachgelassen.
«Halbglatze» heißt es im «Profil» seiner Schauspieler-Agentur nicht eben schmeichelhaft, die als Spielalter durchaus korrekt «72 bis 77 Jahre» vorschlägt. Dass er nicht nur im Fußball und Turnen «gut» mithalten kann, entspricht den Tatsachen. Zum Thema Tanz heißt es in der weiteren Beschreibung: «gut», was sicher nicht übertrieben ist, schließlich verfügt Harster als «ausgebildeter Balletttänzer» zweifellos über «spezielle Kenntnisse». Das tägliche Warm-up habe ihn in Form gehalten, meint er. «Frühmorgens, eine Stunde lang, in meinem Zimmer. Meine innere Uhr verlangt das seit meinen Tänzerzeiten.»
1973 hat er beim Tanz-Forum Köln angefangen, da war Harster um die dreißig, schon damals nicht mehr ...
Achim Freyer, Regisseur und Bühnenbildner, über Proben mit Ralf Harster zur deutschen Erstaufführung von Philip Glass’ «Satyagraha» 1981 in Stuttgart:
Theater Film Oper Tanz Räume Bilder Farbe. Er weiß, er meistert sie, diese Sprachen, geboren im Dunkel des Ur, so bringt er ihr Licht aus seinem Herzen auf die Welten der Bühne. Lauschen wir ihm, dem Schlagen in seiner Brust.
Proben. 15 Minuten seines Lebens. Rolle: Gandhi II (Tänzer). Szene: wird vom Mob (Chor) mit Theatersteinen beworfen, die ihn gegen das Portal schleudern, Kopf und Oberkörper zwischen Bühnenboden und Wand verkeilt, ein Bein und Arm diagonal gegen die Sturzrichtung gestreckt; Gandhi I (Sänger) steigt aus, diskutiert, zweifelt die Arbeit an, sieht nicht Sinn, hasst den Inhalt. Nach 15-minütigem Streit – Ralf Harster, Gandhi II (Tänzer) am Portal verkeilt, ein Bein und Arm diagonal gegen die Sturzrichtung gestreckt, wortlos Arbeit, Sinn und Inhalt fortsetzend, das ist Er! Meister!
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Tanz März 2021
Rubrik: Menschen, Seite 16
von Hartmut Regitz
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