Rotterdam, Den Haag: Goecke, León, Lightfoot, Shechter «Saisonnier»
Die Zeit der großen Wartesäle ist vorbei. Zweckentfremdet, befriedigen sie inzwischen andere Bedürfnisse. Im Basler Bahnhof SBB beispielsweise ist heute im Wartesaal eine Brasserie zu Hause. Die Leere und Langeweile, die hier einst geherrscht haben müssen, lassen sie nicht mehr spüren. Da muss man sich schon eine Vorstellung des Nederlands Dans Theater anschauen, um wie früher zwischen zwei Zügen seinen Gedanken nachzuhängen oder seiner Fantasie freien Lauf zu lassen.
Sol León und Paul Lightfoot machen’s möglich.
Für «Singulière Odyssée» haben die beiden NDT-Hauschoreografen den Basler Wartesaal bis aufs Detail nachbauen lassen, mit seiner halbhohen Holztäfelung, der überlangen Bankreihe zur Linken, den verblichenen Wandgemälden, der typischen Bahnhofsuhr ... Und sie haben ihn auf eine ganz eigene Art gefüllt: mit Tänzern, die der Wind stoßweise hereinwirbelt, mit Bewegungen, die immer wieder zu erstarren drohen, mit Bildern, die einen Verlust ahnen lassen, mit Abschiedsszenen, die oft etwas albtraumhaft Surreales haben.
Es ist ein schönes, überaus fragiles Stück Poesie, dabei stimmig ausgearbeitet, voller Virtuosität und wie geschaffen für ein so herbstliches Programm wie ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Dezember 2018
Rubrik: Kritik, Seite 48
von Hartmut Regitz
CD des Monats: Strawinsky, Hindemith
Früher haben sich Musiker als Grußbotschaft gelegentlich einen Kanon zugeschickt. Paul Hindemith tat das gern und hat auf diese Weise Igor Strawinsky zu seinem 75. gratuliert. Der wiederum fühlte sich davon im höchsten Maße beglückt – und komponierte postwendend auf die gleiche Art.
Beide Kanons finden sich nicht auf dem...
Wer 2016 die Art Basel besucht hat, erkennt das Bühnenbild in Göteborg auf Anhieb wieder. Die eng bepackten Bücherregale mit namenlosen Bänden um einen Seerosenteich. Das Chesterfield-Sofa, den Konzertflügel, das anonyme Grau: Für Sidi Larbi Cherkaouis neues Tanztheater «Stoic» hat der bildende Künstler Hans op de Beeck seine begehbare Installation «The Collector’s...
Hans Christian Andersen. Poet mit Feder und Schere
Früher nannte man ihn gern den «größten Dänen aller Zeiten». Aber ausgerechnet seine Größe hinderte Hans Christian Andersen daran, sich auf der Bühne zu verwirklichen. Mit 1,85 Meter für damalige Verhältnisse überlebensgroß, blieb ihm zunächst nur das Schreiben. Erst als sich 1831 auf einer Deutschlandreise der...
