Foto: Nicol Vizioli

Prometheus

Nicol Vizioli fotografiert Akram Khan – als gefallenen Titan

Das Mystische und Mythische zieht beide an. Figuren, die aus dem Rahmen des Alltäglichen, dem Raum des Erfahrbaren herausfallen. Der Choreograf Akram Khan hat zuletzt mit «Until the Lions» eine Episode des Mahabharata (tanz 4/16), dann die geisterhafte «Giselle» (tanz 1/17) in Fleisch und Blut verwandelt. Die Fotografin Nicol Vizioli befreite Hildegard von Bingen aus der Schlacke des Mittelalters und ließ sie als Model auferstehen: eine Schamanin, abgelichtet im kalten Winterlicht Londons, zwischen Gräbern und Kapelle eines verfallenen Friedhofs.

Es sind Bilder von befremdlicher Schönheit, die genau wie Khans Kunstwerke nie aufgehen in dem, was sie zeigen. Es bleibt ein Stachel, eine Unsicherheit, ein Fragezeichen: Was sehe ich – und was sehe ich nicht, weil es im Schattenreich des Unbewussten versinkt? 

Nun wird Khan im Frühjahr sein letztes abendfüllendes Solo tanzen. «Xenos» kommt in Athen heraus, dem genius loci gemäß als chimärisches Gebilde aus Fakten und Fiktionen. Der Titan Prometheus, der den Menschen das Feuer brachte und zur Strafe an einen Kaukasus-Felsen geschmiedet wurde, soll in die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts eintauchen: den Ersten Weltkrieg, der 1918 zu ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Januar 2018
Rubrik: Bewegung, Seite 6
von Dorion Weickmann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Beruf und Berufung - Wieso Tänzer werden?

Warum wollen Kinder Ballettstars werden? Wollen sie es überhaupt? Sind es nicht vielmehr die Erwartungen der Eltern, die sie in den Mahlstrom der Institution werfen, die sowohl Kinderseelen als auch adoleszente Körper einer gnadenlosen Auslese unterwirft? Der Soziologe Joël Laillier, der an der Universität Toulouse III – Paul Sabatier forscht, will mit seiner...

Clip des Monats 1/18

Soeben wurden die Gewinner der «Choreographic Captures» bekannt gegeben, eines Münchner Wettbewerbs, der mit kurzen Clips im Werbeblock der Kinos für den Tanz begeistern will. Laut Jury zeigt der beste Film zwei Strandläufer, den gleichnamigen Vogel und einen Jogger, aufgenommen mit einer verrissenen Amateurkamera. Das Publikum dürfte sich ob eines derart...

Berlin: Tanz über Grenzen

Claudia Fleischle-Braun, unter dem Titel «Transnationale Konzepte im modernen Tanz» kündigt die Gesellschaft für Tanzforschung für Mitte März im DOCK 11 Berlin ein «Workshop-Festival» an. Davorgeschaltet ist das TANZFONDS ERBE Projekt «Eigensinnig in Zwischenräumen», das sich der Wigman-Schülerin Karin Waehner widmet. Wie ist es zu dieser Doppel-Veranstaltung...