Foto: Guido Mencari
Le Havre - On Tour
Klare Ansage von Romeo Castellucci zur Uraufführung in Antwerpen: «‹Democracy in America› ist kein politisches Stück», hat der Theatermacher da in einer Programm-Notiz geschrieben. Aber unpolitisch? Ist es erst recht nicht! Castelluccis Ausgangspunkt war der zweibändige Essay «De la démocratie en Amérique» von Alexis de Tocqueville: eine politologische Feldstudie über die Geburt des Verfassungsstaats USA und eine damals, in den 1830er-Jahren, brandneue Konzeption von Demokratie – zwischen hohen Idealen und einer weit weniger glanzvollen Wirklichkeit.
Von einer Literatur-Bearbeitung sind wir trotzdem weit entfernt, niemand muss befürchten, mit didaktischen Diskursen behelligt zu werden. Eher lässt Castellucci, der Philosoph des choreografischen Bildertheaters, den Zuschauer in seinen eigenen Zweifeln wühlen.
Dazu platziert er die Tänzerinnen (einer insgesamt ausnahmslos weiblichen Besetzung) wiederholt hinter transparenten Folien, sodass sie zu Schemen verfließen. Einmal mehr stellt er außerdem die Sprache als Instrument der Verständigung infrage. Da hüpft ein Bataillon von Majoretten in weißen Paradeuniformen, gerade so als tanzten sie koreanischen Samulnori. Sie schwenken große, ...
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