Live
«Am Anfang dachten wir, es ist vorübergehend», heißt es in dem Film, der es nicht mehr geschafft hat, rechtzeitig ins Kino zu kommen: «die geschlossenen Schulen, die leeren Supermärkte, die Kontrolle, die Angst, die Konzerte ohne Publikum.»
Kein Hund wagt sich mehr auf die hell erleuchteten Straßen. Verboten sind alle Versammlungen mit über 20 Teilnehmern.
Und wenn sich dennoch mehr Menschen in abseits gelegenen Gebäuden oder Gewächshäusern konspirativ zusammenfinden, um endlich wieder einmal Musik leibhaftig zu erleben – live! –, werden sie gnadenlos niedergeknüppelt. Der Terror von Staats wegen kennt kein Erbarmen. Immer wieder gibt es Tote. Wer das Glück gehabt hat, schwer verletzt davonzukommen, läuft Gefahr, am Unwiederbringlichen zu verzweifeln.
Vor vier Jahren hat Lisa Charlotte Friederich das Drehbuch zu ihrem Debütfilm geschrieben, inspiriert durch die Ereignisse vom 13. November 2015, bei dem knapp hundert Konzertbesucher im Pariser Bataclan einem islamistischen Anschlag zum Opfer fielen. Lisa Charlotte Friederich hat damals die gegenwärtige Pandemie nicht einmal im Ansatz ahnen können, und dennoch zeigt sie in «Live» nicht nur den Lockdown, sondern auch das völlig ...
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Tanz Februar 2021
Rubrik: warm-up, Seite 1
von Hartmut Regitz
In der Schifffahrt werden Gefahrenstellen durch Tonnen markiert. Ihre Formensprache geht auf den Bildhauer Constantin Brâncuși zurück. Der rumänische Künstler errichtete aus Dreiecken gewaltige Stelen und Säulen – wie Signaltonnen, deren Formen anzeigen, in welcher Richtung sich unter Wasser etwa ein Wrack befindet. Mit der Spitze aufeinander zeigende Dreiecke...
Giselle, da steht sie, bildschön, vor dem Vorhang, Grabblumen zu Füßen, ein trauernder Albrecht spielt die Klarinette. Ihr Gesicht glänzt wachsweich. Ihren Kopf hält sie nach hinten gebeugt, den Mund leicht geöffnet. Ein weißes Laken spannt sich über ihren atemlosen Körper. Eine Puppe, eine Schaufensterpuppe, das denken alle im modernen Bau der Teatros del Canal in...
CD des Monats
the queen’ s delight
Balladen und Kontertänze waren im 17. und 18. Jahrhundert bei der Königin wie in den höheren Kreisen Britanniens der letzte Schrei. Die Nachfrage war immens, und Komponisten wie Henry Purcell schrieben sozusagen im Akkord. War eine Melodie gut, ließ ein noch besserer Text nicht lange auf sich warten; die Tänze sprangen ohnehin...
