Ich tanze, also bin ich
Weiße Turnschuhe schnurren über ein Autodach, samtweich wie Katzenpfoten und angriffslustig nach Art eines Dschungeltigers. Ringsum ducken sich Vorstadthäuser in akkurat getrimmte Rasenflächen. Gleichwohl ist der Reichtum hier nicht zu Hause. Das verrät ein Kameraschwenk über farbrissige Fassaden und verschlissene Fenster. Der Mann auf dem Autodach ist ganz in der Nähe groß geworden, in den Ausläufern von Memphis, Tennessee. Dort hat er tanzen gelernt und darüber bald alles andere vergessen.
«Street Dance», sagt er, «kommt aus dem Ghetto und ist eine Kunst, die aus dem Nichts entsteht. Oder besser noch: aus dem Schmerz.» Davon gab es mehr als genug in seiner Kindheit.
Ein gewalttätiger Vater, Rassismus und Brutalität gehören zum Alltag. Irgendwann zieht die Mutter acht Kinder alleine groß. Der Zweitgeborene ist ein Sturkopf, bohrt sich Spin um Spin in die Bewegungsmatrix des Jookin hinein, eine der zahllosen Break-Varianten, eher smooth und robot-artistisch getönt als auf Attacke gebürstet. Seine Begabung fällt in Profikreisen auf, er bekommt ein Stipendium und zwei Jahre Ballettunterricht: «einzige Bedingung: ohne Strumpfhosen», erinnert sich die Ex-Lehrerin. Schließlich kommt er ...
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Tanz Februar 2021
Rubrik: Produktionen, Seite 12
von Dorion Weickmann
Am Anfang gibt es ein paar Aussetzer. So ist das bei Livestreams. Die Premiere der Neueinstudierungen dreier Choreografien von Russell Maliphant, Sharon Eyal und Gai Behar sowie Liam Scarlett in der Bayerischen Staatsoper fiel aus bekannten Gründen aus, weshalb man das Programm abfilmte, sodass es, von Serge Honegger, dem neuen Ballettdramaturgen, charmant...
Die leere Bühne vor dem Tableau eines verlassenen Sees schimmert atmosphärisch in blauem Bühnenlicht. Einen Flügelschlag ist es her, dass Odette, der weiße Schwan, das erste Mal dem Prinzen Siegfried begegnet ist. Ihre Anmut und ihre Traurigkeit haben ihn bezaubert, aber schon ist sie in der dritten Gasse der rechten Bühnenseite verschwunden. Tschaikowskys...
monte carlo
bmc stream
In Corona-Zeiten wird Tanz zum medialen Laboratorium. Die Ballets de Monte-Carlo haben nun zwei Stücke von Jean-Christophe Maillot auf ihre neue digitale Plattform gehoben: das eher klassizistische «Dov’è la luna» und das aufbrausende, von Tarantellamelodien getriebene «Core meu» mit Livemusik. Das Besondere: Wer die Aufzeichnung aufruft,...
