Karlsruhe: «Das kleine Schwarze/The Riot of Spring»

Terence Kohler: «Das kleine Schwarze/The Riot of Spring» in Karlsruhe

Tanz - Logo

Ein Dutzend graumelierter Herren verlässt den Saal, in Begleitung sorgfältig coiffierter, mit Federputz und Perlenornat bekrönter Damen. «Schönen Abend noch», wünscht einer, bevor er hinausrauscht. Nein, so zivilisiert hat sich gewiss nicht abgespielt, was als Skandal in die Annalen des Balletts einging. Terence Kohler, der dem Publikum des Badischen Staatstheaters die tumultuösen Umstände – «The Riot» − der Premiere von «Le Sacre du printemps» vor Augen führen möchte, traut sich nicht, den Hexenkessel zu schüren.

Wagt es nicht, die im Parkett verteilte Statisterie so laut krakeelen zu lassen, wie es die illustren Besucher bei der «Sacre»-Generalprobe im Mai 1913 taten. Stattdessen lässt der Choreograf ein Bürgertrüpplein abmarschieren, gerade so, als handle es sich um den vorzeitigen Abgang vom Elternabend infolge irgendwelcher Ärgernisse.

Das Problem guter Absicht und schlechter Umsetzung ist die Crux dieses Doppelprogramms, das zwei genialische Schöpfer und deren berühmteste Schöpfungen in einen Ballettabend zu packen sucht: die Modedesignerin Coco Chanel und das «kleine Schwarze», jenes weiland revolutionäre, weil so kurze wie schlichte Kleid; sowie ihren – wahr oder nicht ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Januar 2016
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 40
von Dorion Weickmann

Weitere Beiträge
Coburg: «Secret Affairs»

Eigentlich sollte es eine «Queen´s Night» werden. Ballettchef Marc McClain wollte mit seiner Kompanie einen Abend zur Musik der Rockgruppe Queen auf die Bühne bringen. Daraus wurde nichts, die Rechte für die Verwendung der Musik wurden ihm nicht gewährt. Stattdessen gibt es nun den dreiteiligen Abend «Secret Affairs» zu Musik von Mozart, von Frangis Ali-Sade für...

Chemnitz: «Eugen Onegin»

Eben noch erblüht der Morgen in seiner ganzen Farbigkeit, da lässt ein Donnerschlag den Stimmungsumbruch ahnen. Nicht dass Onegin Tatjana einfach im Regen stehen ließe, dafür ist der Nobelmann aus Sankt Petersburg Kavalier genug. Aber im gleichen Maße, wie er lesend ihr Liebesgeständnis verinnerlicht, knickt ihr Körper ein – gefaltet und geplättet wie der Brief,...

feuer bewahren

Großaufnahme: Zwei stramme Männerwaden in einer nebelverhangenen Berglandschaft. Dazu der Sound: ein starkes, gleichmäßiges Schnaufen. Stapft hier ein Riese durch sein Fantasy-Reich? So poetisch-schrullig beginnt «Feuer bewahren – nicht Asche anbeten», Annette von Wangenheims Biopic über Martin Schläpfer, den derzeitigen Topstar unter Deutschlands...