Jenseits

ließ Men in the Cities auf Dächern tanzen. Nach 30 Jahren sind die Bilder wieder hochaktuell

Tanz - Logo

Eine Zeit lang nannte der Branchenspott ihn Robert «Long ago» – Robert Longo galt als ultimativer Vertreter der 1980er Jahre: Post-Punk, New Wave, New-York-hip, in steter Reaktion auf ein selbstgewisses, aber untergründig selbstzerstörerisches Corporate America. Longo, der Bildhauerei studiert hatte, als Zeichner und Filmregisseur bekannt wurde, sah den Fall mitten in der Epoche des Hochmuts voraus. Zwischen 1977 und 1983 entstand eine Serie von Kohlezeichnungen – «Men in the cities» – nach Fotografien, die er auf dem Dach seines Apartmenthauses von Freunden und Bekannten machte.

Er bewarf sie mit Objekten oder riss an Seilen, an denen er sie angebunden hatte, um sie aus dem Gleichgewicht zu bringen. Er hielt Gestalten im Bild fest, die sich krümmten wie Peckinpahs Bonnie und Clyde im Kugelhagel. Geprügelte Erfolgsmenschen in Jackett und Krawatte, unterlegen im Kampf mit unsichtbaren Gegnern. Gefakte Filmstills einer ruckartigen und krampfhaften, aber seltsam grazilen Choreografie der Gewalt. Er sagte dazu: «Modernen Tanz mag ich nicht; wie Figuren in Filmen sterben, ist der beste Tanz, finde ich: Sie taumeln und zucken und explodieren im Raum …» Und: «I want to take that imbalance ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz August/September 2009
Rubrik: Jenseits, Seite 114
von

Vergriffen
Weitere Beiträge
Ein Nachruf. Von Eva-Elisabeth Fischer

Das Tanztheater Wuppertal gastierte gerade in Breslau, als es am Mittag des 30. Juni die Nachricht vom Tod Pina Bauschs erreichte. Die Kompanie tanzte am Abend, so wie sie auch nach den Anschlägen des 11. September getanzt hatte. Dieses als ein Akt der Selbstbehauptung, zum einen. Und es mag, zum anderen, den Tänzern ein Trost gewesen sein, das jüngste Stück, das...

Stéphanie Fuster: «Questquetudeviens?»

Selbst in Spanien spricht man von einer Renaissance des Flamenco. Tänzer wie Israel Galván beweisen, dass der ursprüngliche Volkstanz einen erneuerten Platz auf der Theaterbühne verdient. Postmoderner Flamenco wird, zumindest für die Los Angeles Times, zum Begriff, und Aurélien Borys neuestes Stück für die französische Tänzerin Stéphanie Fuster gehört in genau...

Aurélia Dupont - Vorbild

Die zierliche Gestalt, die das Fotoarchiv des Palais Garnier betritt, in dem sich Abzüge aus den letzten achtzig Jahren stapeln, ruft in der Besucherin sofort ein Bild wach: Duponts entwaffnende Schönheit erinnert an die ebenmäßig ernsten Züge der jungen Romy Schneider. Straff zurückgenommene dunkelblonde Haare lenken den Blick auf große, sprechende Augen und...