geheimnisträger

Sie entscheiden über Preise und Produktionsgelder, aber immer ganz diskret. Deshalb kennt kaum jemand: die Jury, das unbekannte Wesen.

Wer teilt eigentlich – jenseits des Stadttheaters – Produktionsgelder, Residenzaufenthalte, Gastspielgelder, Künstlerpreise zu? Meist: mehrköpfige Jurys. Hinter verschlossenen Türen tagen sie, oft ein- bis zweimal im Jahr – als städtische Gremien, auf Länder- und Bundesebene, bei Stiftungen. Dass nicht ein Einzelner in feudalistischer Manier den Daumen hebt oder senkt, erweckt den Anschein von Demokratie oder Gerechtigkeit. Doch die Geldgeber, die solche, wie es heißt, «unabhängigen Fachleute» berufen, verstecken meist deren Namen.

Das wirkt vielleicht objektiv, aber es verstärkt zugleich den Eindruck von Undurchsichtigkeit. Wird da nicht nur gemauschelt und geschachert?

Die Mitglieder einer Jury oder eines Kuratoriums werden oft auf Vorschlag angeworben und von den Auslobern, sei es ein Verband oder ein Kulturausschuss, gewählt. Meist sind die Amtszeiten befristet, damit Wechsel und Meinungsvielfalt Platz greifen. Doch viel Auswahl an Freiwilligen mit Fachwissen gibt es nicht, am wenigsten beim zeitgenössischen Tanz. Deshalb landen Journalisten in den Jurys, manchmal gleich in mehreren. Berufliche Vorteile ergeben sich daraus nicht, höchstens ein wenig Ehre. Die Arbeit ist meist ...

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Tanz März 2013
Rubrik: praxis, Seite 68
von Melanie Suchy

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