Ferrara on tour: Aterballetto «Bach Project»

Tanz - Logo

Die Domus Aurea war so groß, dass sie drei Hügel Roms bedeckte. Errichtet von Kaiser Nero, passten da sogar Weinberge rein und ein See, der an die Terrassen schwappte. Heute steht dort das Kolosseum. Auf der Bühne von Diego Tortellis neuem Werk, «Domus Aurea», leuchtet kein Gold, sondern ein Kubus aus Neonröhren, der die 16 Tänzer der Kompanie Aterballetto aus Reggio Emilia in schönes Licht taucht. Im Schatten des elektrifizierten Würfels intoniert ein Quartett die «Französischen Suiten» von Bach.

Der Komponist Giorgio Colombo Taccani hat sie transkribiert, auch für Klangschale, Zimbel und elektronische Effekte. Der wandlose Würfel, errichtet von Massimo Uberti, hat mit Neros kühner Überbauung des alten Rom nichts zu tun. Im Gegenteil soll er in Bach’scher Klassik die «ideale Stadt» repräsentieren. 

Das erinnert an den belgischen Choreografen Frédéric Flamand, in dessen Architekturen Tortelli einst tanzte. Heute kennen ihn die meisten eher als grandioses Mitglied der Kompanie von Richard Siegal. Zur Vorstellung am Mailänder Teatro Elfo Puccini reiste sogleich auch eine ganze Delegation deutscher Siegal-Verehrer an, um zu sehen, wie Tortelli sich als Choreograf zunächst mit Jirí ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz November 2018
Rubrik: Kritik, Seite 46
von Arnd Wesemann

Weitere Beiträge
Leto

Ich besuche Kirill Serebrennikov Anfang August 2017 in Kronstadt. Im ehemaligen Kulturhaus der Baltischen Flotte dreht der Regisseur Sequenzen seines neuen Films. Weniger ihm, als seiner engsten Mitarbeiterin steht der Stress der vergangenen Monate ins Gesicht geschrieben, auch die Stinkefinger-Brosche an ihrem Kleid kann darüber nicht hinwegtäuschen. Als der...

Gekippt

1926. New York ruft das «Cabaret Law» aus. Das Gesetz verbietet das Tanzen in der Öffentlichkeit. Sechs Jahre zuvor: Die USA beschließen die Prohibition. Wer trinken will, trifft sich zum Cocktail in Speakeasys, in Hinterzimmerkneipen. In ihnen wird auch getanzt. Etwa in Harlem, als sich um 1930 Schwarze und Weiße gemeinsam vergnügten. Die rechtliche Handhabe gegen...

Der zeitlose Tänzer: Jacques Alberca

Auch Tänzer werden älter. Es fällt nur selten auf, weil sie in der Regel prompt durch jüngere Kollegen ersetzt werden. Doch wer sagt, dass alle Tänzer jung sein müssen? Tanz ist kein Sport, sondern Kunst. Und die kennt kein Alter. Eigentlich. «Die Senioren hören mit dem Tanzen ohnehin nicht auf. Sie tanzen im Kopf, sie unterrichten, oder sie tanzen am Strand», sagt...