Erinnerungsorte
Die Tage werden dunkler, die Nächte länger. November. Zeit, einmal innezuhalten. Zeit, sich zu erinnern. Zeit, der Verstorbenen zu gedenken. Allerheiligen. Allerseelen. Totensonntag. Es ist kein Zufall, dass sich gerade in diesem Monat solche Tage häufen.
Doch wie und wo sich erinnern? Márcia Haydée, die langjährige Primaballerina und Prinzipalin des Stuttgarter Balletts, hat sich einmal bitter darüber beklagt, dass sich für so große Künstler wie Maurice Béjart oder Richard Cragun kein konkreter Ort mehr findet, um ihnen Reverenz zu erweisen.
Beider Asche wurde wunschgemäß auf dem Meer verstreut.
Besser ist es, über einen Stein zu stolpern, wenn sich schon aus traurigen Gründen kein Erinnerungsort erhalten hat. Gunter Demnig hat unzählige «Stolpersteine» verlegt – Messingquader, die ins Trottoir eingelassen werden, um auf diese Weise gegen das Vergessen der NS-Opfer anzukämpfen. In Berlin gibt es inzwischen viele davon, und zwei rufen das Schicksal von Tatjana Barbakoff und Oda Schottmüller ins Gedächtnis. Die eine kam im KZ Auschwitz ums Leben, die andere wurde hingerichtet.
Es gibt Gedenktafeln. Unter den mehr als 3000 in Berlin ganze drei, die Tänzerinnen gewidmet sind: Anita ...
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Tanz November 2018
Rubrik: Warm-Up, Seite 1
von Hartmut Regitz
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