DVD

Sergei Polunin

Tanz - Logo

Ein heulendes Häuflein Elend kauert da in der Ecke. Die private Kamera dokumentiert diesen wie so viele andere, glückliche und unglückliche Momente. Hier ist es die Mutter, die Tränen vergießt, weil sie den gerade mal 13-Jährigen verlassen muss. Das Ausnahmetalent wird allein in London bleiben, an der Royal Ballet School auf Anhieb drei Klassen überspringen, später in der Mutterkompanie eine Überflieger-Karriere starten. Um sich 2012, mit 22 Jahren, aus allem herauszukatapultieren – von Drogen gezeichnet, vorzeitig verschlissen, ausgeknockt.

«Meine Mutter hat sich fürs Ballett entschieden, nicht ich», erklärt Polunin in dem Dokumentarfilm «Dancer – Bad Boy of Ballet», der jetzt auch als DVD herauskommt.

Jahre später macht die Mutter dem Sohn ein Geständnis: «Ich habe beim Training nicht auf dich gewartet, weil es mir so gefallen hat. Sondern weil ich kein Geld für mehrere Busfahrten hatte.» Es sind sehr bescheidene Verhältnisse, aus denen Galina Polunina ihren Sohn herausmanövrieren will. Vater und Großmutter ackern für sein Schulgeld, an der Dauerbelastung zerbricht die Ehe der Eltern.

Steven Cantors Porträt zeichnet all das nach, und zwar ohne jeden Voyeurismus. Dem Regisseur ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

tanz_02_2017

Tanz Februar 2017
Rubrik: Medien Februar 2017, Seite 61
von Dorion Weickmann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Rückzug

Kenneth Greve macht Schluss. Zumindest in Helsinki. Seit 2008 amtiert er dort als Direktor des Finnischen Nationalballetts, und das offenbar zu beidseitiger Zufriedenheit. Sonst hätte er den Vier-Jahres-Vertrag nicht um die gleiche Dauer verlängert. Wie seine Vorgängerin Dinna Bjørn stammt Greve aus Dänemark. Ausgebildet an der Schule des Königlich Dänischen...

Leverkusen

Als Tänzer tritt er heute nur noch wohldosiert in Erscheinung. Der Bühne bleibt er dennoch treu. Mikhail Baryshnikov widmet seine beeindruckende Erfahrung als Performer inzwischen vornehmlich anderen Projekten – aktuell zu Ehren seines Freundes, des exilierten russischen Dichters Joseph Brodsky, der 1996 verstarb.

Für die Produktion «Brodsky/Baryshnikov», in Szene...

Interviews

Dialoge seien eine Kunstform, schreibt Guy Cools. In den 1990ern leitete er das Kunstzentrum Vooruit in Gent. Danach war er als freier Dramaturg etwa für Akram Khan und Sidi Larbi Cherkaoui tätig. Dialoge, so schreibt er weiter, beruhen auf der Kunst des Zuhörens. Die existiere in unserer projektorientierten Kultur nicht mehr, laut Richard Sennett deshalb, weil...