Die Dramaturgen und der Tanz

Robert Gugutzer

Der Mann hat nicht schlecht gestaunt: Zum ersten Mal, so sagte es der Sozialwissenschaftler für Sport in Frankfurt/Main vor der ehrwürdigen, 1956 gegründeten Dramaturgischen Gesellschaft, zum ersten Mal überhaupt würden sich Theaterintellektuelle mit dem Objekt auseinandersetzen, das ein Theater erst zum Theater macht: dem menschlichen Körper. Das Thema des dramaturgischen Jahrestreffens in Hannover lautete zwar verdächtig holzschnittartig: «Körper – Repräsentation. Interaktion. Differenz».

Aber Amelie Mallmann, noch im Vorstand der Gesellschaft, war stolz darauf, endlich ein Thema aufgegriffen zu haben, das unter dem Begriff «Body Politics» tatsächlich das Theater betrifft. Schließlich wird auf der Bühne ständig gefragt: Wie umgehen mit dem fremden, dem anderen oder einem Körper, der Widerstand leistet, sich illegal benimmt oder als Grenzgänger zwischen den Geschlechtern, den Nationen oder gegen die Normen der Gesellschaft auftritt?

Robert Gugutzer ist kein Tanzvermittler, mehr der gemütliche Bayer, der gern Witterung aufnimmt: Was wollen die Dramaturgen von diesem Körper? Sie wollen das, was Dramaturgen immer wollen: politisch Position beziehen. Für sie ist der Körper im Theater ...

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Tanz April 2017
Rubrik: Menschen, Seite 32
von Arnd Wesemann

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