Die Chemie der Ekstase
Hip, Hype, Hurra! Zwei Hütchen auf den Nieren – links ein dreieckiges, rechts ein halbmondförmiges – produzieren die Droge unserer Zeit: Adrenalin. Jener Botenstoff, der allen Kreaturen zu Flight und Fight verhilft und somit ihr Überleben sichert, schafft pure Energie und führt im Schlepptau eine Droge mit, die Schmerzen stillt und high macht: Endorphine.
Diese Reaktionskette des autonomen Nervensystems ist das älteste Geschenk der Evolution an eine Menschheit, deren urbane Lebensweise den Kampf gegen wilde Tiere und die Flucht zu Fuß längst hinter sich gelassen hat, für die der Botenstoff ursprünglich erschaffen wurde. Wettbewerb, Zeitdruck, Aggression, Angst katapultieren den Stadtneurotiker heute unverwandt in ein ähnliches biochemisches Klima erhöhter Energiebereitschaft. Doch der meist ungenutzte Kraftschub staut sich. Was bleibt, sind Schlacken im Organismus und ein Zustand, den wir Stress nennen.
Was Manager, Feuerwehrleute, Notfallmediziner, überreizte Mütter, Eheleute im Clinch ins Burnout-Syndrom und schlimmstenfalls in die Chronic-Fatigue-Falle katapultiert, nutzen Tänzer als tägliches Brot. Manche sind süchtig nach Adrenalin und in Extremsituationen höchster ...
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Noch im Juni hat er beim Pascal Rioult Dance Theatre unterrichtet, da war Alfredo Corvino schon 89. Nur wenige Monate zuvor nahm der Unruheständler Abschied vom Tanztheater Wuppertal, dem er als Ballettmeister viele Jahre angehörte: ein Pädagoge alten Schlags und ein Künstler, den das New Jersey Dance Theater Ensemble noch im Mai als «Visionary for Excellence in...
Trance und Ekstase sind für uns Kontrollverluste. Für Burkhard Gladigow in seinem soeben erschienenen Buch «Religionswissenschaft als Kulturwissenschaft» (Kohlhammer) ist Trance eine Besessenheit von außen. Ekstase dagegen ein Heraustreten nach außen. In Trance gerät man etwa durch einen Dämon.
Dieser Wahn mag noch an eine überwundene Form archaischer Religiosität...
Die Westschweizer Tanzszene ist ohne Philippe Saire nicht vorstellbar. 1995 bezog seine Kompanie das Théâtre Sévelin 36 in Lausanne: Es wurde zum Tanzzentrum der Romandie schlechthin. Hier veranstaltet er Festivals und bringt fast jedes Jahr eine eigene Kreation heraus. Sein neues Stück «Sang d’encre», Blut aus Tinte, aber wurde in Basel uraufgeführt als...
