Das ungefällige Alter
Auf den ersten Blick könnte man meinen, dies sei ein Beweis für die mühelose Erhöhung des Renteneintrittsalters. Einer der Tänzer, Horst Dittmann sagt ja auch: «Ich musste neu beginnen, das habe ich getan.» Aber: «Bei einer gefälligen Inszenierung, die uns bloß noch mal im Rampenlicht glänzen lassen will, hätte ich niemals mitgemacht.» Mit seinen 63 Jahren ist er der jüngste. Neben ihm tanzen Ursula Cain, 78, Christa Franze, 78, und Siegfried Prölß, 72.
Anders als die «Damen und Herren ab 65» bei Pina Bausch sind Hennigs Protagonisten früher richtige Ballett-Tänzer an der Leipziger Oper gewesen. Jetzt schauen sie zurück, fast ohne nostalgisches Sentiment. Ursula Cain fällt das am schwersten. Vor fünfzig Jahren war sie erste Solistin, «Inbegriff der klassischen lyrischen Ballerina» in Leipzig. Ihr anrührendes Solo zu Gustav Mahlers Adagietto, das hinübergleitet in ein zärtliches Duett mit Horst Dittmann, kippt in der Ausdehnung und den vielen Hebungen das Zauberhafte in kitschige Reminiszenz um. Stark und prototypisch ist diese zentrale Episode nur in den Auslassungen, wenn Cain ihren Sprüngen von damals hinterherblickt.
Es bleibt die einzige ernstgemeinte Klassikszene der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Es war eine Amour fou, die Oskar Kokoschka nie verwinden sollte. Nach der Affäre mit der Wiener Muse und Musikerin Alma Mahler ließ der expressionistische Maler eine lebensgroße Puppe von ihr anfertigen, die er sieben Jahre lang als künstliche Geliebte mit sich herumtrug. Dann, nach einer durchzechten Nacht, hackte er ihr den Kopf ab.
Alma Mahler war in gewisser...
2001. Don DeLillo veröffentlicht in New York seinen Roman «The Body Artist». Es ist die Geschichte der Avantgarde-Künstlerin Lauren Hartke. Zurückgezogen in einem einsamen Landhaus versucht sie, den Selbstmord ihres Ehemanns zu verwinden. Trotz ihres Bedürfnisses nach Einsamkeit nimmt sie sich eines Obdachlosen mit autistischen Zügen an, der sich im Haus...
Wumm, wieder ist einer gelandet! Ein echter Kontrapunkt zum leisen Tschaikowsky und dem sanft pastellenen Licht. Die Bretter des Prinzregententheaters sind berüchtigt für ihre Percussion-Akustik. Für Tanz eingeschränkt geeignet. For what goes up, must come down. Bei der Nurejew-Hommage «Thank you, Rudy!» lief vieles nicht glatt.
Vergessen wir das Rätselraten um...
