Wo bleiben die Künstler?
Dass die Wissenschaft nicht mehr nach metaphysischem Sinn, sondern nach der Erfahrung der Zuschauer sucht, erscheint als Fortschritt. Wo der Abschied vom Werk des Tanzes, etwa durch rekonstruierbare Notationen und ihrer Interpretation nach dem Muster der Musikwissenschaft infrage gestellt wird, beginnt hier vielleicht eine neue Ära der «Wissenskultur»: als Anerkenntnis, dass es neben der akademischen Wissenschaft auch eine andere Wissensvermittlung gibt, eben die traditionelle der körperlichen Erfahrung.
Denn Wissenstransfer im Tanz geschieht ganz praktisch als ein Weitervererben von Körperwissen unmittelbar an der Ballettstange und im Probenraum.
Erfahrung, heißt es noch stringenter, ist nur körperlich ermessbar. Eine theoretische Aneignung von Tanz bleibt dagegen zwangsläufig Papier. Darum gerät die «Theorie» immer wieder in Verdacht, nur im Zuschauerraum dämmernd die Tanzkunst anzusehen (Theorie als eine Kunst zu sehen, zu verstehen, vergleichen zu können), um hieraus ihre Thesen zu formulieren. Natürlich einfühlsame, verständnisvolle, die letztlich immer «solidarische» Thesen sind, die auf Kongressen vorgetragen die Wichtigkeit des Tanzes feiern. Oder die seiner Inspiration ...
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Wenn er eins nicht gelernt hat, dann das: Problemen aus dem Weg zu gehen. Thomas Lehmen stellt sich ihnen mit masochistischer Lust. So erweist sich Lehmen lernt am Ende als ein erheiternder Exkurs in Sachen Selbsterfahrung und -findung. Zunächst entpuppt sich der Performer allerdings als Kind im Mann, immer die Rassel griffbereit. Wie eine endlose Litanei...
Alain Platel bringt nur alle zwei, drei Jahre ein neues Stück heraus – entsprechend gespannt sind die Erwartungen. Seine jüngste Arbeit, «vsprs», zuerst in Paris und in Berlin aufgeführt, verbindet Barockmusik und Psychiatrie, Glaubenssehnsucht und Körperentgrenzung. Claudio Monteverdis «Marienvesper» (1610) wird von Fabrizio Cassol stark bearbeitet, mit Jazz- und...
In Bangkok fahren keine Rikschas mehr. Der alltägliche Stau findet in klimatisierten Limousinen statt. Die letzten Orte wahrhaft tropischer Erfahrung in Thailands Metropole sind in den 64. Stock verbannt, ins wohl höchste Open-Air-Restaurant der Welt. In der lauen Nacht überschaut man bei Kerzenschein, französischem Rotwein und australischem Edelsteak eine Stadt,...
