Das ist typisch
Lübeck rettete 1995 das Stadttheater, indem es den Tanz abwickelte. Nun macht ihm die zwangsfreie Tanzszene ein Angebot: «kostenneutral für das Theater» ein Ballett- und Tanztheater zu installieren – klar, ohne das Theater zu belasten. Dafür ist, üblich in norddeutschen Bürgerschaften, eine eigene bauliche Sichtbarkeit nötig. Ab dem 25. April gibt es ein Lübecker Tanzhaus in der Fackenburger Allee 80, das 700 qm in ein Tanzforum und eine Tanzfabrik teilt –, deren jeweilige Aufgabenspreu und -weizen hier auszumalen zu weit führt.
Für die Ballettfreude steht das Ehepaar Johannes und Carolin Maylin-Kritzinger (Foto) bereit. Dazu gibt’s Tango, Jugendarbeit, Tanztheater, Tanz mit geistig, körperlich und altersbedingt behinderten Menschen, es gibt Ansprechpartner für die Musikhochschule und fürs Stadttheater, ein Kompe-Tanzzentrum von Bürgern für Bürger. Die Lübecker Tanztheatertage sollen folgen, und überhaupt gibt es «großartige Unterstützung» für eine Kunstform, die sich um alles kümmern muss: die verfehlte Sozialpolitik und die vermaledeite Theaterpolitik. Die Basis wird’s schon kurieren.
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Warum nicht gleich «Le Martyre de Saint-Sébastien»? Das Debussy-Ballett, zuletzt von Uwe Scholz für die Mailänder Scala choreografiert, hätte Vladimir Malakhov bei der Premiere keine Buhrufe eingetragen. Sie waren auch bei «Caravaggio» nicht wirklich gerechtfertigt. Doch während hier die Geschichte des italienischen Malers ein Vorwand scheint, den männlichen...
Martin Puttke, wir sitzen hier in der Intendanz des Staatsballetts Berlin, wo Sie kürzlich einen Workshop gegeben haben. Was haben Sie den Tänzern beigebracht? Mich beschäftigt schon lange die Frage, wie wir die Klassiker lebendig bekommen. Wir sehen ja, dass Tänzer Schwierigkeiten haben, uns den Siegfried oder die Giselle als heutige Figuren glaubhaft zu machen....
Barak Marshall
«Monger»
Das Geräusch von Wassertropfen bohrt sich in die Stille. Wir sehen hinein in ein dunkles Untergeschoss. Zehn Menschen hocken in schwarzen Mänteln ängstlich aufeinander. Wenn das Licht angeht, sind sie verstört wie aufgeschreckte Ratten. Ein eher dürftiger Anfang, der ans typische Tanztheater der 1980er erinnert. Aber dann geht’s los. Es gibt...
