das anarchiv...
Wellness ist ein bitteres Wort. Es bezeichnet jene ausgesparte Zeit, die man dem eigenen Wohlbefinden widmen muss, weil es sonst ja nicht stattfindet. Auch Kunst soll Wellness sein, uns wie sonst Öle und erprobte Finger in einen Zustand versetzen, in dem jeder Widerstand zwecklos wird. Gebt euch hin! Das ist ein Imperativ.
Kattrin Deufert und Thomas Plischke haben ein Verfahren entwickelt, damit Zuschauer und Tanz so aufeinander wirken, dass wir zum Schluss in einem Kreidekreis zu Pianoklängen von Alain Franco ganz entspannt ausatmen können.
Wo sonst zur Wellness eine luxuriöse Umgebung fürs Wohlbefinden herhält, geht es in ihrem «Anarchiv #3: Songs of Love and War» unmissverständlich bildungsbürgerlich um das deutsche Nibelungenlied, den Kampf um verschwundenes Rheingold («Die Weltbank sozusagen»), um die Abwesenheit der Götter (oder der Politik), um die Entfesselung einer von Luxus übersäten Gewalt: «Wie schrecklich erklangen da die Schwerter: Viele Schildspangen sprangen aus den Beschlägen heraus. Dadurch fielen die Edelsteine beschädigt aus den Fassungen in das Blut. Sie kämpften so heftig, wie man es niemals mehr tun wird.»
Der Satz aus dem Lied steht auf einem ...
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Tanz August/September 2011
Rubrik: produktionen, Seite 16
von Arnd Wesemann
Ted Brandsen, im Herbst erlebt das Niederländische Nationalballett, das Sie seit 2003 leiten, seinen 50. Geburtstag. Haben Sie trotz der Kürzung der staatlichen Zuschüsse Grund zum Feiern?
Ja, durchaus. Dennoch ist es schlimm und traurig, dass die Zuschüsse gekürzt wurden. Wir sind dankbar, dass es für uns nicht so schlimm gekommen ist, wie wir zuerst dachten. Die...
...ist der high chief bei jedem besseren Tanzfestival. Immer raunt aus ihm, einem Häuptling seiner Majestät, der englischen Königin, eine ironiefreie Rede allein an die Königin, als wäre das britische Commonwealth die Rettung seiner Heimat Samoa nach der deutschen, der US-amerikanischen und der neuseeländischen Besatzung. Ponifasio, tatsächlich ein high chief, hat...
Die Wand stürzt um, reißt Frau und Mann gleich mit sich. Für einen Moment zeichnete sich das Bild anmutig posierender Figuren vor weiß erleuchtetem Grund deutlich ab. Nun wälzt sich das Paar auf einer Matratze – denn als solche gibt sich das hinfällige Objekt zu erkennen –, ringt um Liebe, zärtlich, kämpferisch. Bald verschwindet der Mann im Bühnendunkel; sie...
