sommerwunder? lemi ponifasio...
...ist der high chief bei jedem besseren Tanzfestival. Immer raunt aus ihm, einem Häuptling seiner Majestät, der englischen Königin, eine ironiefreie Rede allein an die Königin, als wäre das britische Commonwealth die Rettung seiner Heimat Samoa nach der deutschen, der US-amerikanischen und der neuseeländischen Besatzung. Ponifasio, tatsächlich ein high chief, hat in Japan und bei Indianern in Kanada gelebt. Er gibt sich als Ureinwohner und Kosmopolit.
Sein Anliegen ist die globale Gerechtigkeit, sein Thema eine diffuse Angst, die er auf der Bühne in erstarrter Symbolik tanzen lässt. Bestes Kunstgewerbe: ein geölter Alabasterkörper, ein ausgefranster Engel, dahinter eine schlurfende Mönchskolonne, die sich den Staub aus dem Rock klopft. Das hat mit Kultur nichts zu tun, mit angstbesetzer political correctness aber alles. Als Ponifasio in einem Publikumsgespräch jede Frage süffisant lachend an sich abgleiten ließ, wurde deutlich, dass er selbst es ist, der in panischer Angst vor Verortung und Festlegung dafür sorgt, dass an seiner Kunst kein Stäubchen der Geschichte hängen bleibt. Muss es auch nicht, er ist ja nichts weiter als ein globalisierter Exot.
Lemi Ponifaso zeigt «Birds ...
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Tanz August/September 2011
Rubrik: menschen, Seite 59
von Irmela Kästner
Théophile Gautier, der geistige Vater der dramatischen Geschichte um das Thüringer Bauernmädchen Giselle, wäre heute 200 Jahre alt. Dass in diesem Jahr die Akademiker Kolloquien wie «Théophile Gautier und seine Zeit» abhalten, neue Biografien und Neuausgaben erscheinen, ist natürlich Pflicht im akademischen Betrieb. Die «Giselle»-Choreografen Jean Coralli und Jules...
Sie scheint nicht zu altern, ist so schlank wie eh und je, unter dem Pony strahlt sie mit dem bekannten lausbubenhaften Gesicht, ihre langen Beine und Arme sind so elastisch und biegsam, dass man glauben möchte, sie seien aus Gummi. Man muss es sich immer wieder in Erinnerung rufen: Hier tritt keine jugendliche Göre auf, sondern eine 46-jährige Frau.
Sylvie Guillem...
Am Ende sollen wir etwas versprechen. Dass wir uns einen Monat lang täglich nur eine Minute kurz duschen. Oder das Auto in der Garage lassen. Oder dass wir einen Baum pflanzen. Denn es gilt, etwas gutzumachen: Die vierteilige Performance «Expanding Energy» von Davis Freeman verbraucht einiges an Energie und damit CO2. Das muss wieder ausgeglichen werden. Das...
