daisuke miura
Sie sind ja so diszipliniert, schnurrte es aus den Nachrichten. Bewunderung für die Fähigkeit der Japaner, großes Leid mit äußerer Fassung zu tragen. In die Bewunderung mischten sich bald andere Töne: diszipliniert ja. Aber auch obrigkeitshörig, eigentlich. Ein peinlicher Ausrutscher passierte knapp drei Monate nach der Katastrophe von Fukushima einer 3sat-Moderatorin im Gespräch mit der Künstlerin und Kuratorin Leiko Ikemura.
Sie plapperte: «Nun sind die Japaner nicht berühmt für ihre Emotionalität …» – Leiko Ikemuras Gesicht blieb unverändert, nur der Takt ihres Lidschlags beschleunigte sich. Dieses Anderssein müsse respektiert werden. Als Retourkutsche kam: «Das expressive Zeigen von Gefühlen entspricht nicht immer der Echtheit der Emotion.»
Der 1975 in Hokkaido geborene Regisseur Daisuke Miura zeigt mit seiner Gruppe Potudo-ru im Stück «Yume no shiro» eine Gruppe junger Japaner, die nicht ganz so diszipliniert sind. Sie lungern auf dem Boden einer Einzimmerwohnung herum und tun nichts, außer hin und wieder zu raufen, aufs Klo zu gehen, zu essen, fernzusehen oder querbeet Sex miteinander zu haben. Keine Worte, nur Bewegungen und Gesten. Ein Höhepunkt in Miuras stets ...
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Tanz Jahrbuch 2011
Rubrik: Die Hoffnungsträger, Seite 148
von Helmut Ploebst
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