Così fan tutte
Man sieht es und staunt nicht. Die Bühne ist leer. Viel Weiß um Nichts: jede Menge Platz zum Tanzen. Links und rechts hängende Begrenzungen aus Plexiglas. Das sichert Transparenz, einen Hauch Eleganz strahlt es auch aus. Aus dem Schnürboden fallen Lamellen, selbstredend persilfarben. Die Welt so rein. Das Pure der Subjekte (Objekte der Begierde?) scheint gesichert. Wie die Unschuld der Musik. C-Dur, das erklingt ja immer dann, wenn gestrahlt oder gejubelt oder gefeiert oder alles zusammen getan wird.
Aber was sehen dann unsere verwirrten Augen, kaum ist die Ouvertüre beendet? Von hinten stampft, energischen Schrittes, die gesamte «Così-fan-tutte»-Belegschaft nach vorn, beinahe militärisch, um sich in einem Halbkreis aufzustellen und parallel zur Musik die Nacken, die Köpfe, die Gliedmaßen und wer weiß was sonst noch alles zu dehnen und zu zerstreuen. Schon stellt sich bang die eine Frage: Soll das hier eine Gruppentherapie werden? Oder suchen sechs Personen nur ihr jeweiliges Spiegelbild? Den Anderen in sich? Das Andere schlechthin?
Schattentänzer
Nun, nicht ganz. Philosophisch wird der Abend nie, zum Glück. Aber seltsam, aus der Welt hinaus gehoben, ist es schon, dieses erste Bild. ...
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Tanz März 2017
Rubrik: Produktionen, Seite 8
von Jürgen Otten
Steckt in Hamlet ein Ödipus? Die attraktive Königin Gertrude posiert auf dem frischen Laken, während ihr der Dänenprinz entgegeneilt, den Degen symbolträchtig in der Hand. Auf dem royalen Lager ringen sie miteinander: Die Mutter hat, kaum ist der Vater unter der Erde, den mutmaßlichen Königsmörder Onkel Claudius geheiratet. Allerdings rast das verzogene...
Der «Totentanz I» dauert gerade mal sieben Minuten, aber die haben es in sich. Sobald sich das Dunkel der Bühne lichtet, lassen sich die Verblichenen noch einmal sehen in ihrer ganzen Farbigkeit: blau die dominierende Frauenfigur, springlebendig die rote, ruhiger die grüne, fast ein wenig unscheinbar die gelbe. Schwarze Zwergenhüte auf dem Kopf, könnte man die vier...
Sollte es gelegentlich Klage darüber geben, dass der Tanz unpolitisch (geworden) sei, wäre hier ein mögliches Gegenstück gefunden. Beatrice Fleischlin aus Zürich und Anja Meser aus Berlin bilden ein kleinstmögliches Kollektiv. Angesichts ihrer stets sauber synchronisierten Schritte darf man sogar sagen: Zwischen die beiden passt kein Blatt. Ihre Tänze zeigen die...
