Foto: t&w Andreas Tamme
Olaf Schmidt «Die Geschichte von Blanche und Marie» in Lüneburg
Sie könnten unterschiedlicher nicht sein: die charismatische Cabaret-Tänzerin Jane Avril, die zur Muse von Henri Toulouse—Lautrec avancierte, die legendäre Hysterie-Patientin Blanche Wittman, deren «Vorstellungen» in der Pariser Salpêtrière sich seinerzeit keine illustre Persönlichkeit entgehen ließ, und die zweifache Nobel-Preisträgerin Marie Curie, die wissenschaftliche Anerkennung, aber auch gesellschaftliche Ächtung erfuhr.
Am Ende seines Romans «Das Buch von Blanche und Marie» führt Per Olov Enquist alle drei im Frühjahr 1913 in einer fiktiven letzten Begegnung zusammen: einer der «Ausgangspunkte», wie Enquist seine «Coda» charakterisiert, den Olaf Schmidt ganz bewusst an den Anfang seines zweiteiligen «Tanzstücks» setzt. Als Choreograf kann er der «Geschichte» lediglich linear folgen und nicht wie der schwedische Romancier in seinen «Gesängen» immer wieder neue Akzente setzen. Was er außerdem noch kann: den Erzählfluss drosseln, verdichten, umleiten oder aufs Neue strömen lassen. Das tut Schmidt denn auch auf vielschichtige, bildhafte und eindringliche Art.
Zunächst konzentriert sich der Choreograf ganz auf die Salpêtrière, in der an den Frauen auf eine Weise herumgeschraubt ...
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Tanz März 2017
Rubrik: Kalender, Seite 44
von Hartmut Regitz
Eine Tänzerin unter einer Glühbirne in einem dunklen, kleinen Raum: Trotz der Begrenzung tanzt sie in schönen großen Bewegungen – mal angezogen vom Licht, dann im Widerstreit mit ihm. Ihre Bögen werden zunehmend fahriger, die Pirouetten schneller, Gesten verlangsamen sich, enden in minimalen Bewegungen. Manchmal versiegen die Impulse, dann beginnen sie wieder ganz...
Alles begann mit einem Aha-Erlebnis auf der Wohnzimmercouch – mit einem déclic, wie Sylvie Guillem es auf Französisch ausdrückt: «Ich saß zu Hause vor dem Fernseher, und plötzlich machte es klick. Es lief eine Doku über Paul Watson und die freiwilligen Mitarbeiter der von ihm ins Leben gerufenen Sea Shepherd Conservation Society, die sich gegen die Ausbeutung der...
newcomer: reginaldo oliveira
Klar kann er auch Brasilianisch: Zu Birgit Keils 70. Geburtstag ließ Reginaldo Oliveira das Badische Staatsballett in einem überschäumenden «Presente» die Hüften für die Direktorin schwenken. Ansonsten aber neigt der frisch ernannte Chefchoreograf des Salzburger Landestheaters zu ernsten, dunklen Themen: Medea und Anne Frank waren die...
