Cocoondance «Momentum»

Sobald die drei Männer ihre Stimme finden und brüllen, hört das Stück auf. Noch vor der Sprache, der Philosophie, der Politik. «Momentum» von CocoonDance, dem Bonner Ensemble der Choreografin Rafaële Giovanola (s. Seite 61) und des Dramaturgen Rainald -Endraß, ist verkörperte  Physik, im Sinn von «Impuls» oder «Schwung». Gerade so bohrt es sich auch mit dem Tanz in den «Moment», den rohen Augenblick hinein.

Schauplatz ist eine Art Höhle, die auch das Publikum umfängt: Man steht überall und horcht in den Berg hinein, in dem es pocht.

Franco Mento lässt den elektronischen Sound auf- und abschwellen, dicker und dünner werden, doch nie pausieren. Die Zuschauer ergeben sich ihm schließlich mit wippenden Köpfen. Bei den Tänzern dauert es eine Weile.Erst liegen sie, wie hingeworfen. Etwas ruckt in ihrem Inneren, wölbt, spannt, treibt sie allmählich an. Sie krabbeln, krauchen, lauern, immer dicht am Boden, scheinbar blind, mit umwickelten Köpfen, anonym. Sie gewinnen langsam an Höhe, tauchen auf und geschmeidig schnell wieder ab, rollen, purzeln. Fassen einander an Händen und Nacken, schieben, ziehen, lüpfen, hüpfen: scheinbar archaische Tänze, die auch heutigen Sportjubelritualen ähneln. ...

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Tanz März 2018
Rubrik: Tanzplattform, Seite 16
von Melanie Such