Climax
Mit «Climax» von Regisseur Gaspar Noé kommt der Exzess quasi auf Bestellung. Noé ist berühmt-berüchtigt für die Inszenierung von Gewalt und nicht zuletzt für eine kaum auszuhaltende Vergewaltigungsszene in «Irreversibel». In «Climax» folgt er zwar erneut seinen Lieblingsthemen Sex, Gewalt und Drogen, ordnet sie aber einer anderen Faszination unter: der für tanzende Körper. Den Rhythmus gibt ein hervorragender Retro-Elektro-Soundtrack inklusive Cerrone, Patrick Hernandez und Soft Cell vor.
Statt einer ausgefeilten Story wirft Noé die Zuschauer in eine lange Partynacht, bei der zwei Dutzend professionelle Tänzer miteinander eingeschlossen sind und langsam durchdrehen. Weniger immersiv als in früheren Werken, schlägt Noé einen bewusst selbstironischen Ton an und guckt gleichermaßen empathisch wie belustigt auf junge Erwachsene im Jahr 1996.
Hyperchoreografiert
Allem voran ist «Climax» ein Ensemblestück. Im Mittelpunkt steht eine Tanzschule, genauer gesagt: Es sind die Körper der Tänzerinnen und Tänzer, für die sich Noé interessiert. Zum Sog und zur Kurzweiligkeit des Films trägt bei, dass diese Körper sich ständig bewegen. Dass sie mal alleine, mal miteinander tanzen, sich ...
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Tanz November 2018
Rubrik: Tanz im Kino, Seite 14
von Frédéric Jaeger
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