Bonn, Mühlheim

Rafaële Giovanola «No Body But Me»

Tanz - Logo

So möchte man Tanz jetzt immer untermalt haben: mit individuellem Kopfhörer auf den Ohren, der die eigene Geräuschhaftigkeit, vor allem aber die der lästigen Mit-Theaterbesucher ausblendet – titelgemäß: «Nur Ich!» Ein überwältigendes Sounderlebnis von Jörg Ritzenhoff, seit Jahren Hauskomponist der Bonner Kompanie CocoonDance. Über Kopfhörer dringt zunächst unruhiges Atmen direkt ins Hirn der Zuschauer.

Unwillkürlich überträgt man das Geräusch auf den Körper auf der Bühne, fühlt sich ihm trotz räumlicher Distanz ganz nah.

Ein nackter Mann mäandert durch Posen, sucht als Chimäre nach einer Seinsform: auf dem Boden liegend, zittrig wie die Linien auf einem Egon-Schiele-Akt, dann kauernd mit modellierten Muskeln wie ein Rodin-Denker, später schmerzlust-zerquält wie die Schwulenikone vom Hl. Sebastian.

Damit beginnt die neue Produktion «No Body But Me» von CocoonDance-Choreografin Rafaële Giovanola, und Tänzer Álvaro Esteban präsentiert die Posen mit perfektem Mix aus Narzissmus, spöttischer Distanz und echter Sinnlichkeit. CocoonDance hat schon seit Längerem eine Schwäche für die Vorsilbe «post». Die «postnarrative Postmoderne» von Foucault & Co verwandelten ...

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Tanz Dezember 2016
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 45
von Nicole Stecker

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