Zeichen
«Alle wissen’s», heißt es einmal im Stück, «Everybody knows». Es gibt nichts, was nicht bereits gewusst wird, alles ist schon begriffen: Umwelt, Klima, Achtsamkeit, Nachhaltigkeit, Klassismus, Rassismus, Diversität. Es gibt kein Unwissen. Vielmehr gibt es zu allem immer noch eine Haltung und Meinung. Und schon weiß niemand nichts mehr. Doch auch das ist eine Form von Wissen.
Wir leben im «Age of Content».
Das bedeutet nicht «Zeitalter des Inhalts», meint das dreiköpfige Kollektiv, das seit 2019 das Ballet national de Marseille anführt, vielmehr nennt sich jede nur auffindbare Äußerung im Netz bereits Content: jede Fotografie, Meinung und Selbstdarstellung. Inhalt ist alles. Und gleichzeitig nichts. Damit läutet «Age of Content» programmatisch das Ende jenes Theaters ein, das etwas «zu sagen hat». Der Abend erlaubt es sich, das Ende jener Sorte von Bedeutungshuberei auszurufen, die jede Tanzkompanie von sich selbst behaupten muss, um zur Erlangung von Steuermitteln in ihre Anträge bei der Politik das reinzuschreiben, was immer alle schon wissen: irgendwas mit Umwelt, irgendwas mit Klima, Achtsamkeit, Nachhaltigkeit, Klassismus, Rassismus, Diversität … Das machen selbst die Festivals ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Oktober 2023
Rubrik: Produktionen, Seite 14
von Arnd Wesemann
Toxisch
BRITISCHE AKADEMIEN
Die Exzellenz ist das eine, die Arbeitsatmosphäre offenbar das andere: Wie die BBC Mitte September berichtete, haben 50 ehemalige Schüler*innen von Royal Ballet School und Elmhurst Ballet School schwere Anschuldigungen gegen die in London und Birmingham ansässigen Ausbildungsakademien erhoben. Demnach gab es hier wie dort zahlreiche...
Was er da zu sehen bekam, war für den jungen Sigmund Freud schwer zu fassen: Frauen, deren Körper sich wie ein Rundbogen wölbte – Füße und Kopf auf dem Klinikbett, während die Taille wie im Zenit über der Matratze schwebte. Und das war kein seltener Anblick, sondern an der Tagesordnung an der Pariser Salpêtrière, wo der Neurologe Jean-Martin Charcot vorzugsweise...
Marina Abramović, wie geht es Ihnen?
Ich habe eine Lungenembolie, und mein Arzt hat mir verboten, zu fliegen. Früher nahm ich alle drei Tage ein Flugzeug, deswegen ist das eine enorme Veränderung in meinem Leben, aber was soll man machen? Ich probe deswegen viel am Computer und per Zoom, man transportiert mich in einem Einkaufswagen herum, sehr lustig.
Woran...
