Zeichen

Das französische Kollektiv (La)Horde tanzt mit «Age of Content» durch die wunderbare Medienwelt der Simulation und anderer Fiktionen

«Alle wissen’s», heißt es einmal im Stück, «Everybody knows». Es gibt nichts, was nicht bereits gewusst wird, alles ist schon begriffen: Umwelt, Klima, Achtsamkeit, Nachhaltigkeit, Klassismus, Rassismus, Diversität. Es gibt kein Unwissen. Vielmehr gibt es zu allem immer noch eine Haltung und Meinung. Und schon weiß niemand nichts mehr. Doch auch das ist eine Form von Wissen.

Wir leben im «Age of Content».

Das bedeutet nicht «Zeitalter des Inhalts», meint das dreiköpfige Kollektiv, das seit 2019 das Ballet national de Marseille anführt, vielmehr nennt sich jede nur auffindbare Äußerung im Netz bereits Content: jede Fotografie, Meinung und Selbstdarstellung. Inhalt ist alles. Und gleichzeitig nichts. Damit läutet «Age of Content» programmatisch das Ende jenes Theaters ein, das etwas «zu sagen hat». Der Abend erlaubt es sich, das Ende jener Sorte von Bedeutungshuberei auszurufen, die jede Tanzkompanie von sich selbst behaupten muss, um zur Erlangung von Steuermitteln in ihre Anträge bei der Politik das reinzuschreiben, was immer alle schon wissen: irgendwas mit Umwelt, irgendwas mit Klima, Achtsamkeit, Nachhaltigkeit, Klassismus, Rassismus, Diversität … Das machen selbst die Festivals ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Oktober 2023
Rubrik: Produktionen, Seite 14
von Arnd Wesemann

Weitere Beiträge
Silvana Schröder «Coppélia – das Mädchen mit den Glasaugen»

Donnernd statt mit den lieblich einschmeichelnden Orchesterklängen eines Léo Delibes beginnt der Abend am Theater Altenburg-Gera: ein Anfang mit Signalwirkung, der sofort ahnen lässt, dass Silvana Schröder das Ballet comique aus dem Jahr 1870 nicht nach Maßgabe des Librettisten Charles Nuitter erzählen wird. Schröders «Coppélia» ist ein humanoider Roboter, dem...

Side step 10/23

Pro und Contra
TANZ UND DIGITALITÄT
Immer mehr Künstler*innen experimentieren mit digitalen Medien. Deren Möglichkeiten sind noch lange nicht erschöpft. Gleichzeitig gelten sie als Gefahr, die nur durch das Tanzen gebannt werden kann – hier zwei Beispiele.

Pro: Wer durch ein Teleskop oder ein Mikroskop schaut, wundert sich nicht, etwas anderes zu sehen als das, was...

Ausstellung 10/23

NOA ESHKOL
Noa Eshkol ist in erster Linie als Tänzerin, Choreografin und Tanztheoretikerin bekannt. Die 2007 im Alter von 83 Jahren gestorbene Israelin war allerdings auch Bildende Künstlerin, die Wandteppich-Arbeiten herstellte, welche weit über den Tanzbereich hinausweisen. Die Berliner Galerie neugerriemschneider hat Eshkol schon mehrfach im Kunstkontext...