Yasmeen Godder: «Love Fire»
In ihrem neuen Stück «Love Fire», das am Suzanne Dellal Centre for Dance and Theatre in Tel Aviv herauskam, überrascht die Choreografin Yasmeen Godder mit einer ganzen Sammlung an Walzern: von Johann Strauß über Jean Sibelius und Dmitri Schostakowitsch bis zu Aram Chatschaturjan. Der Walzer, sein romantischer Gestus der Gefühligkeit, soll einen – wir ahnen es bei Godder – auf eine falsche Fährte führen.
Wie Zuckerzeug klebt sie die Musik so hintereinander, wie sie zu Beginn Fetzen von Fellstücken auf ein altbekanntes T-Shirt näht, das der Tänzer Eran Shanny schon in ihren letzten Stücken trug. Man möchte Godder für eine Hausfrau aus der Vorstadt halten mit ihren verfransten Haaren, dem karierten Baumwollkleid über der Trainingshose und knallroten Plastikschuhen. Das Nadelkissen am Gelenk, mit einer großen Schere in der einen Hand, schiebt sie die Nadel mit der anderen immer wieder durch Fell und Stoff. Sie hat alle Macht der Zeit.
Godder, als Performerin, signalisiert den Spott, der das aufkommende Drama begleitet; man sieht, wie sie ihren nächsten Zug vorbereitet. Auch Shanny riecht die Gefahr. Aus dem unschuldigen Nähen erwachsen Angriffe. Bewaffnet mit der großen Schere, fallen ...
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