Frédéric Gies: «Album (Praticable)»
Er kommt aus der Nähe von Straßburg, tanzte in Paris, seit fünf Jahren lebt er in Berlin. Sein Körper ist bärenstark, seine Haltung die eines Teddys. Die Stimme bittet im freundlichen Ton um Aufmerksamkeit, der Wuschelbart federt den Eindruck von Eitelkeit ab, der Topfschnitt fügt Mitleid hinzu. Den Soloabend führt sein Assistent ein, mit Halbglatze in Malerhose als Vor-«Gruppe».
In den Berliner Sophiensälen zeigt er, welcher Ton hier gilt: der eigene schwere Atem, mit dem auch Frédéric Gies wie ein Derwisch über die leere Bühne trudeln wird, auf weißen Socken, im T-Shirt, das die berühmte Rolling-Stones-Zunge zeigt, neckisch verziert mit einem Moustache.
Der neue Mann. Er ist auf sich gestellt, er fährt das Licht selbst, er hat gelernt, «immer kreativ sein zu müssen». Zwischen jedem seiner kurzen Soli wechselt er das Schuhwerk und verrät seine Pläne, «was zwischen Autobiografie und Tanzgeschichte» machen zu wollen. Erschrocken erfährt man vom Symptom, das wie ein Virus die Szene erfasst und im Sommer als «SODA», einem Studiengang des Berliner Hochschulübergreifenden Zentrums Tanz, sein klinisches Bild erhalten soll: Viele solche Solodarsteller sollen Tanz häppchenweise zeigen, ...
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