Worte – zu spät
Emilia schweigt. Umso beredter ist ihr Körper. Immer wieder bäumt er sich auf, wie von einer Last befreit. Doch die leidvolle Erfahrung sitzt tiefer, als Emilia ahnt. Ihre Arme sind in ständiger Bewegung. Sie greifen ins Leere, finden keinen Halt, kreisen umsonst. Verzweifelt sackt «Jagos Frau» in sich zusammen, und ist schnellstens wieder auf den Beinen. Desdemonas Tod lässt sie nicht zur Ruhe kommen. Wie eine fixe Idee ruft sich Emilia das Ereignis ins Gedächtnis, ohne sich seine Konsequenz erklären zu können.
So oft sie ihre Erinnerung wie ein Puzzle zusammensetzt: das Bild, das sich ergibt, bleibt bruchstückhaft, solang Jago seine Machenschaften nicht eingesteht.
Nicht Jago, nicht Othello, schon gar nicht Desdemona stehen im Mittelpunkt des neuen «Tanzstücks». Stattdessen entwickelt Tarek Assam, von seinem Kollegen Richard Weber beraten, am Stadttheater Gießen «die Fiktion über eine Frau, die bei Shakespeare zu spät zu Wort kam» – was nichts anderes heißt, als dass er seine Geschichte assoziativ entstehen lässt. Zwischen Äpfeln, die den Boden und einen Tisch bedecken, winden sich die Frauen. Bis es zum ersten Auftritt der Männer kommt, dauert es eine Weile. Gehetzt ...
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