Willkür

Oskar Schlemmer, Bela Bartók und ein paar andere ebenfalls verblichene Künstler haben Nachfahren oder Rechteverwalter, die den Nachlass geradezu eifersüchtig bewachen. Warum bloß? Und wem nützt, wem schadet das?

Tanz - Logo

Wie wird man zum «bekanntesten unbekannten Künstler»? Indem man Erben hat, die sich nicht einig sind über den richtigen Umgang mit dem Vermächtnis. Wie Oskar Schlemmer zum Beispiel. Dessen Nachkommen machten allen, die sich mit dem Werk des in Stuttgart geborenen Bauhauskünstlers beschäftigen wollten, die Arbeit so schwer bis unmöglich, dass Museen wie Medien zuletzt nur noch Zurückhaltung übten. Jetzt ist Schlemmer siebzig Jahre tot, die Urheberrechte sind frei geworden – entsprechend groß ist die Freude, und das nicht nur in der Stuttgarter Staatsgalerie.

Deren Direktorin Christiane Lange meint, dass damit das Werk eines Künstlers in den Mittelpunkt rücke, der tatsächlich neu zu entdecken sei.

__________erst regiert misstrauen, dann der anwalt

War Schlemmers Ehefrau Tut besorgt, den Nachlass ihres 1943 verstorbenen Mannes einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, änderte sich das mit ihrem Tod 1987. Zurück blieben auf der einen Seite die Enkelin Janine, Erbin von Schlemmers früh verstorbener Tochter Karin, auf der anderen Seite die inzwischen ebenfalls verstorbene Schlemmer-Tochter Ute Jaina und ihr Sohn Raman. Bei ihnen lag die Verwaltung des künstlerischen Erbes. Die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Jahrbuch 2014
Rubrik: Schlemmer, Bartok u.a., Seite 100
von Andrea Kachelrieß

Weitere Beiträge
robert robinson

Das passiert viel zu selten: dass sich ein Balletttänzer wie Robert Robinson raus aus dem geschützten Raum der Staatstheater wagt. Der Brite tanzt erst die zweite Saison in der Gruppe des Stuttgarter Balletts. Und doch fühlt es sich an, als sei der schlaksige Kerl schon viel länger in town. Das liegt daran, dass der 21-Jährige häufig auf der Bühne zu sehen ist;...

martin schläpfer

Natürlich ist das nicht sonderlich originell. Weil der Choreograf und Chef des Balletts am Rhein gegenwärtig mit jedem Preis am Wegesrand ausgezeichnet wird. Macht aber nichts. Denn abgesehen von der allerhöchsten kreativen Qualität, Eleganz, Schönheit und Intelligenz, die seine beiden jüngsten Choreografien von Mahlers 7. Sinfonie und Adriana Hölszkys «Deep Field»...

Schattenmann

«Ich bin der stille Schatten im Hintergrund», sagt Christopher Roman einmal in der Mitte des langen Gesprächs. Wenn es um die Forsythe Company geht, ist die Rede zur Zeit meist von William Forsythe selbst, der die Leitung aus gesundheitlichen Gründen abgegeben hat, aufgeben musste, und Jacopo Godani, der ab August 2015 an die Spitze einer Truppe rückt, die dann...